Geräte- und Applikationstechnik

Liste der verlustmindernden Geräte (abdriftmindernd eingetragene Düsen)

Um beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bestimmte Mittel überhaupt noch einsetzen zu können, bzw. um geringere Abstände zu Fließgewässern und Saumstrukturen einhalten zu müssen, bietet sich der Einsatz sogenannter verlustmindernder Technik an. In der nachfolgenden Liste sind verschiedene Düsentypen mit ihrem jeweiligen Druckbereich für die in Frage kommende Abdriftminderungsklasse angegeben. Man unterscheidet zwischen den Abdriftminderungsklassen 50%, 75% und 90%.

Die Liste der vom JKI anerkannten Düsen zur abdriftarmen Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln finden Sie hier:

Liste der verlustmindernden Geräte

 

Bei den Düsen in der Liste wird unterschieden zwischen:

 

Kompakte Injektordüsen (Länge zwischen 2,5 und 3 cm)

 

Lange Injektordüsen (Länge zwischen 4 und 5 cm)

Doppelflachstrahldüsen

Injektordüsen in Verbindung mit Randdüsen

 


 

Einsatz von Randdüsen

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat im Oktober 2013 darauf hingewiesen, dass Pflanzenschutzmittel grundsätzlich nur auf landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzten Flächen angewendet werden dürfen. Verstöße gegen diese Vorschrift sind bußgeldbewährte Ordnungswidrigkeiten. 

Die Düsen, die üblicherweise in Feldspritzgeräten eingesetzt werden, dienen der Erreichung einer möglichst gleichmäßigen Verteilung der Behandlungsflüssigkeit auf der gesamten Zielfläche. Normale Düsen mit 110° Spritzwinkel breiten sich rein rechnerisch bei 50 cm Düsenhöhe (Zielflächenabstand) 70 cm nach rechts und 70 cm nach links zur Strahlachse aus, sie erreichen somit eine Gesamtbreite von 1,4m. Hier wird bei der Randbehandlung zwangsläufig ein schmaler Bereich mitbehandelt. Hierbei handelt es sich um eine Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln, die der zuvor genannten Vorschrift zuwiderläuft und demzufolge verboten ist. Durch die Verwendung von Randdüsen kann dieser Austrag minimiert werden.

Diese Bekanntmachung ist vom Inhalt her nicht neu, dennoch sollte sie als Anlass genommen werden, das Vorgehen im Randbereich zu überdenken. Nach einer Behandlung der Getreidestoppel mit Glyphosat im Sommer sind mancherorts noch bis in den Spätherbst die halb abgespritzten Graswege zu sehen. Das ist sicherlich keine gute fachliche Praxis und man kann daraus Rückschlüsse auf den Umgang mit anderen Pflanzenschutzmitteln ziehen.

 

Randdüsen haben einen einseitig verkürzten Spritzwinkel und müssen aus diesem Grund nach der Randbehandlung, zu der auch das Vorgewende zählt, gegen eine normale Düse getauscht werden.


Dieses kann z.B. durch einen Mehrfachdüsenträger oder eine elektrische Schaltung der Randdüse erfolgen. Es empfiehlt sich aber, den letzten Düsenstock auf jeder Geräteseite mit einem vom Fahrersitz aus schaltbarem Magnetventil auszustatten. Die Kosten pro Seite betragen rund 150 € und es entfällt das lästige Absteigen, um den Düsenwechsel von Hand vorzunehmen.

 

Damit die Dosierung beim Einsatz der Randdüsen noch stimmt, müssen diese außer bei Lechler-Düsen immer eine Nummer kleiner sein, als die Düsen des restlichen Gestänges, nur so wird der geringere Ausstoß wegen des eingeschränkten Spritzwinkels ausgelichen. Lechler hat diesen geringeren Ausstoß schon bei der Konstruktion ihrer Randdüsen berücksichtigt und die Randdüsen in der gleichen Farbe und Kennung hergestellt, wie die nach ISO-Norm gebauten Düsen.

 

Beispiele für passende Düsenkombinationen

Nur JKI eingetragene Düsenkombinationen verwenden ---> ansonsten Wegfall der kompletten Abdriftminderungsklasse

Bisher sind nur Randdüsen von Lechler, Teejet und Agrotop im Verzeichnis verlustmindernder Geräte eingetragen.

Es dürfen nur

Lechlerdüsen mit Lechlerranddüsen z.B. IDKN 120-03 POM mit Randdüse IDK-S 80-03 POM

Teejetdüsen mit Teejetranddüsen z.B. TeeJet AI 110 025 VS mit Randdüse AI 85 02 VS

Agrotopdüsen mit Agrotopranddüsen z.B. Agrotop AirMix 110-05 mit Randdüse AirMix OC 04

eingesetzt werden.

 

Weitere passende Kombinationen sind in der Liste der verlustmindernder Geräte zu finden.

 

Im Sinne einer bis an die Feldgrenze reichenden gleichmäßigen Verteilung der Pflanzenschutzmittel kann nur empfohlen werden, anerkannte und im Verzeichnis verlustmindernder Geräte eingetragene Randdüsen zu verwenden. Dadurch wird auch das Risiko der Resistenzausbildung verringert.

 


 

Empfehlungen zur Düsenwahl

Die Frage nach neuen Düsen stellt sich beim Neukauf von Geräten, bzw. beim Ersatz von gebrauchten Düsen. Für die richtige Düsenauswahl sollten folgende Fragen beantwortet werden:

  • Mit welcher Wasseraufwandmenge möchte/muss ich fahren?
  • Welche Fahrgeschwindigkeit möchte ich nutzen?
  • Mit welchem Spritzdruck will/kann oder muss ich arbeiten?
  • Welche Kulturen will ich behandeln?
  • Ist die Bauart der Düsen hinderlich (evtl. andere Düsenkappen, Geräteteile werden angespritzt, Gestängeklappung behindert, Abbruchgefahr)?
  • Sind Abstandsauflagen zu Gewässern (NW) und/oder Saumbiotopen (NT) einzuhalten?
  • Sind andere Auflagen zu beachten (die evtl. den Einsatz spezieller Düsen erfordern)?

Die Antwort auf die Frage Injektordüsen oder Standarddüsen sollte heute grundsätzlich lauten: Injektordüsen. Man unterscheidet bei den Injektordüsen zwischen kompakten und langen Injektordüsen. Kompakte Injektordüsen arbeiten in einem optimalen Druckbereich von 1,5 - 3 bar. Die langen Injektordüsen zwischen 5 - 8 bar. Die Injektordüsen der sogenannten 3ten Generation vereinen alle drei Abdriftminderungsklassen (50 - 90%) in einer Düse. Wichtig ist es, hierbei auf den richtigen Arbeitsdruck der Düsen zu achten.

Die angegebenen Druckeinstellungen zum Erreichen der entsprechenden Abdriftminderungsklasse, bei der gleichzeiti­gen Ausbringung geringer Wassermengen je ha erfüllen nicht immer die Erwartungen der Anwender an die Wirkung der ausgebrachten Mittel. Diese Vorgaben stehen nicht mit den Empfehlungen zum optimalen Einsatz der Düsentechnik im Einklang. Liegen keine Einschränkungen (NT und NW – Auflagen) vor, sollten die mittleren bis höheren Druckbereiche entsprechend den Angaben der Düsenhersteller (Werte in Klammern) gewählt werden. All­gemein wird bei der Einhaltung der Abdriftminderungsklasse 75 und 90 % ein Tropfenspektrum erzeugt, welches für eine optimale Applikation zu grobe Tropfen erzeugt, d. h. der Bedeckungsgrad ist eingeschränkt.

Grundsätzlich sind die heutigen Injektordüsen ausgereift, in kosten­günstigen Ausführungen erhältlich und brauchen hinsichtlich der biologischen Wirksamkeit der ausgebrachten Pflanzenschutzmittel bei Einsatz im optimalen Druckbereich keinen Vergleich mit den bisherigen Düsen zu scheuen. Die Düsen bestehen überwiegend aus Kunststoff und ermöglichen durch die farbliche Kennzeichnung nach ISO-Norm die eindeutige Zuordnung einer Größenklasse (z. B. gelb = 02 [0,2 Gallonen Ausstoß bei 40 psi Druck], Düsenausstoß bei 3 bar Druck ~ 0,8 l/min).

In Düsentabellen können verschiedene Ausbringmengen je ha bei unter­schied­lichem Druck und verschiedenen Fahrgeschwindigkeiten abgelesen werden.

Werden die Empfehlungen zum optimalen Einsatzbereich der Düsen beach­tet, sollten die Pflanzenschutzmaßnahmen erfolgreich durchgeführt werden können.

Die Abdriftminderungsklasse 90 % kann mit Düsen erreicht werden, bei de­nen in der folgenden Düsentabelle (Liste der verlustmindernden Geräte) in der Spalte 90% eine Angabe im Druckbereich vorhanden ist.