Chemische Vegetationsbeseitigung auf Wegen und Plätzen - sachgerecht in Profihand

Der Einsatz von Herbiziden wird in der Öffentlichkeit meist sehr kritisch gesehen und daher von vielen Menschen abgelehnt. Angesichts der hohen Kosten für mechanische und thermische Verfahren stellt er in bestimmten Fällen jedoch eine Möglichkeit zur Unkrautregulierung dar. Sollen Pflanzenschutzmittel auf den o.g. Flächen eingesetzt werden, so sind verschiedene rechtliche Aspekte zu berücksichtigen (z.B. das Genehmigungserfordernis nach § 12 Absatz 2 Satz 3 des Pflanzenschutzgesetzes). Leitlinie und gesetzliche Norm für die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln nach dem Pflanzenschutzgesetz ist bekanntermaßen der integrierte Pflanzenschutz (§2, Nr. 2 ) und die Durchführung des Pflanzenschutzes nach guter fachlicher Praxis (§3).

Im Sinne des integrierten Pflanzenschutzes und insbesondere der Biodiversitätserhaltung ist die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (hier der genannten Herbizide) auf das notwendige Maß zu beschränken, wenn möglich darauf zu verzichten und vorrangig der Einsatz nichtchemischer Verfahren zu prüfen und zu berücksichtigen.

 

Zulassung und Genehmigung

Es dürfen nur Herbizide eingesetzt werden, die von der deutschen Zulassungsbehörde (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) für diesen Zweck zugelassen oder genehmigt sind. Außerdem ist in jedem Fall eine Einzelfallgenehmigung nach § 12 Absatz 2 Pflanzenschutzgesetz erforderlich, die beim Pflanzenschutzdienst beantragt werden kann.
Zur Unkrautbekämpfung auf Wegen und Plätzen stehen für professionelle Anwender derzeit drei Wirkstoffe zur Verfügung.

 

Auswahl zugelassener Herbizide, für die eine Einzelfall-Genehmigung nach § 12 (2) Pflanzenschutzgesetz für professionelle Anwender erteilt werden kann

Stand: Februar 2018

Wirkstoff(e) Mittel Zulassungsnummer
Zulassungsende
Anmerkungen
Pelargonsäure Finalsan 004645-61
31.08.18
nicht selektives Blattherbizid; zugelassen zur Einzelpflanzen- und Teilflächenbehandlung;
WW730: Das Mittel besitzt keine nachhaltige Wirkung.
Pelargonsäure KATOUN GOLD 008572-00/00-002
31.08.2021

nicht selektives Blattherbizid; zugelassen zur Einzelpflanzen- und Teilflächenbehandlung;
WW730: Das Mittel besitzt keine nachhaltige Wirkung.
Pelargonsäure + Maleinsäurehydrazid Finalsan Plus 006193-61
31.12.19

nicht selektives Blattherbizid; zugelassen zur Einzelpflanzen- und Teilflächenbehandlung;
WW730: Das Mittel besitzt keine nachhaltige Wirkung.

In einer Genehmigung nach § 12 (2) Pflanzenschutzgesetz wird festgelegt, dass die behandelte Fläche für 48 Stunden abzusperren ist.

Begründung *

RA-3000-flüssig 006193-63
31.12.19

nicht selektives Blattherbizid; zugelassen zur Einzelpflanzen- und Teilflächenbehandlung;
WW730: Das Mittel besitzt keine nachhaltige Wirkung.

In einer Genehmigung nach § 12 (2) Pflanzenschutzgesetz wird festgelegt, dass die behandelte Fläche für 48 Stunden abzusperren ist.

Begründung *
Flumioxazin Vorox F 024895-60
30.06.2019
Bodenherbizid, wirkt gegen auflaufende Unkräuter
Nozomi 024895-00
30.06.2019
Bodenherbizid, wirkt gegen auflaufende Unkräuter
Hyganex-Perfekt 024895-62
30.06.2019
Bodenherbizid, wirkt gegen auflaufende Unkräuter
Ra-50 024895-61
30.06.2019
Bodenherbizid, wirkt gegen auflaufende Unkräuter

* Begründung:
Folgende Auflagen der Zulassungsbehörde gelten für das Mittel Finalsan Plus:

SB110: Die Richtlinie für die Anforderungen an die persönliche Schutzausrüstung im Pflanzenschutz "Persönliche Schutzausrüstung beim Umgang mit Pflanzenschutzmitteln" des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ist zu beachten.
SF189: Das Wiederbetreten der behandelten Flächen/Kulturen ist am Tage der Applikation nur mit der persönlichen Schutzausrüstung möglich, die für das Ausbringen des Mittels vorgegeben ist. Nachfolgearbeiten auf/in behandelten Flächen/Kulturen dürfen grundsätzlich erst 24 Stunden nach der Ausbringung des Mittels durchgeführt werden. Innerhalb 48 Stunden sind dabei der Standardschutzanzug (Pflanzenschutz) und Universal-Schutzhandschuhe (Pflanzenschutz) zu tragen.
SS110: Universal-Schutzhandschuhe (Pflanzenschutz) tragen beim Umgang mit dem unverdünnten Mittel.
SS120: Universal-Schutzhandschuhe (Pflanzenschutz) tragen bei Ausbringung/Handhabung des anwendungsfertigen Mittels.
SS220: Standardschutzanzug (Pflanzenschutz) und festes Schuhwerk (z.B. Gummistiefel) tragen bei der Ausbringung/Handhabung des anwendungsfertigen Mittels.
ST128: Partikelfiltrierende Halbmaske FFP2 oder Halbmaske HM mit Partikelfilter P2 (Kennfarbe: weiß) gemäß BVL-Richtlinie für die Anforderungen an die persönliche Schutzausrüstung im Pflanzenschutz, in der jeweils geltenden Fassung, tragen bei der Ausbringung/Handhabung des anwendungsfertigen Mittels mit personengetragenen Geräten.

Genehmigungen für Präparate mit dem Wirkstoff Glyphosat werden nur noch in begründeten Ausnahmefällen erteilt.

Bevor eines der genannten Herbizide zum Einsatz kommt, ist eine entsprechende Genehmigung nach § 12 Absatz 2 Pflanzenschutzgesetz einzuholen. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf Kinderspielplätzen und Kindergartengelände wird in Hessen grundsätzlich nicht genehmigt.