Wachstumsregler - Fungizide

Stand: 18.08.2016

Übersicht  Empfehlung für Wachstumsreglereinsatz bei sortenangepasster Saatzeit 
Angegebene Datumsangaben stellen Mittelwerte dar.
Bei langsamer Herbstentwicklung, schwachem Raps Aufwandmenge um 30 % reduzieren. Wenn zusätzlich Wasserknappheit besteht, eventuell ganz auf Behandlung verzichten.
Bei verschiedenen Sorten ist trotz Spätsaatempfehlung und damit geringerer Vegetationszeit vor Winter eine erhöhte Wachstumsreglermenge wegen der schnellen Entwicklung notwendig. Siehe Tabelle auf Seite Sortenbeschreibungen des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen, LLH

Sorten mit schneller
Vorwinterentwicklung
Sorten mit mittlerer
Vorwinterentwicklung
Sorten mit langsamer
Vorwinterentwicklung
bzw. schossfest
Saatzeitempfehlung *
normal bis spät
(25.08. bis Anfang September)
Saatzeitempfehlung *
normal
(20.08. bis 30.08.)
Saatzeitempfehlung *
früh bis normal
(12.08. bis 25.08.)
Andromeda**, Archipel, Arsenal, Balance, DK Camelot, DK eXpower, DK Exquisit, ES Alegria, Fencer,
Flyer, Letitia, Marathon, Marquis, Mercedes
NK Technic, NK Petrol, Penn, Popular, SY Vesuvio,
Titan, Vision

Adriana,  Amilia, Artoga, Atora, Avatar, Basalti CS, Bender, Comfort, Compass, Elektra, Frodo KWS, Galileo, Genie, NK Linus, Mendelson**, Menhir**, Mentor**, Mercedes, Müller 24, Nimbus, Patron, PR 46W20, PR 46W26, PT 242**, Sherlock, Sherpa, SY Alister**, Tonka, Treffer, Visby, Vitara, Raptor

Amstrong EU, Arabella, Genie, Midas,
DK Exstorm, Inventer,
PT 206, PR 45D06, PX 104, PX 113 EU, Raffiness
 bei normaler Entwicklung, wenn das 4-Blattstadium ca. um den 20.09. erreicht ist

Carax 0,5 - 0,6
oder
Toprex 0,4
Nachbehandlung 10-14 Tage später
Anfang/Mitte Oktober einplanen mit z.B.
Carax 0,7 - 0,8 oder
Folicur 0,8 oder
Ampera 1,0 (Indikation ab 6-Blatt) oder
Tilmor 0,8

Carax 0,5 oder
Toprex 0,35 oder
Folicur 0,6 oder
Efilor 0,4
(o.andere, s.Tabelle unten)
zur Verbesserung
der Winterhärte:
Folicur 0,5 oder
Matador 0,5 oder
Tilmor 0,6
Efilor 0,4
(o.a., s. Tabelle unten)
                                                                    bei sehr wüchsiger Witterung und schneller Pflanzenentwicklung vor Winter

Carax 0,7 - 1,0 im 4.Blattstadium
und nach 10-14 Tagen Nachbehandlung mit
Toprex 0,4

Carax 0,7 im 4-Blattstadium
und nach 10-14 Tagen Nachbehandlung mit
Toprex 0,35 oder
Folicur 0,7
Folicur 0,8-1,0 oder
Matador 0,8-1,0 oder
Tilmor 1,0 oder
Efilor 0,7
kann die erste Behandlung erst ab dem 6 Blattstadium stattfinden, sind die Aufwandmengen deutlich zu erhöhen,
s. Tabelle unten
sehr kleiner Raps mit nur 3 Blättern Ende September kann im Oktober mit 0,3 Folicur zur Erhöhung der Winterhärte behandelt werden.

 *  = bei Höhenlagen oder sich nur langsam erwärmenden, tonigen Boden und in schattigen, kühlen Lagen abweichende Saatzeitempfehlungen.

** = kohlhernieresistent

 

Übersicht über Wirkung von Wachstumsreglern/Fungiziden

 Entwicklungsstadium
und Aufwandmenge in
l/ha oder kg/ha
Wirkung
gegen Phoma
Indikation Phoma
im Herbst
lt. Zulassung
  Wirkung  bezüglich
Mittel 3 - 4 Blatt 6 Blatt

Standfestigkeit,

Winterfestigkeit

Ampera - 1,2-1,5 x(x) nein +(+)
Cantus Gold 0,4 0,5 ++ ja keine Indikation
Caramba 0,5 0,9 +(+) ja keine Indikation
Carax 0,5 1,0 + ja +++
Efilor 0,4 0,7 ++ ja, ab 2 Blatt ++
Folicur 0,7 1,0 +(+) ja, ab 6 Blatt ++
Matador 0,7 1,0 +(+) ja ++
Orius - 1,2 +(+) ja, ab 6 Blatt ++
Score 0,4 0,5 ++ ja keine Indikation
Tilmor 0,8 1,2 ++ ja ++
Toprex 0,35 0,5 ++ ja ++(+)

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-     = derzeit keine Indikation

+    = Nebenwirkung
++   = mittlere Wirkung
+++ = gute Wirkung

Phoma- Blattflecken an Rapsblatt
Phoma- Blattflecken an Rapsblatt
ausgewinterte Rapspflanzen nach Winter
ausgewinterte Rapspflanzen nach Winter
optimaler Wachstumsreglertermin im 4.Blattstadium
optimaler Wachstumsreglertermin im 4.Blattstadium
Falscher Mehltau an Blattoberseite
Falscher Mehltau an Blattoberseite
Falscher Mehltau mit Sporenrasen an Blattunterseite
Falscher Mehltau mit Sporenrasen an Blattunterseite

Einsatzziele:

  • Sprossverkürzung im 3 - 4 Blattstadium zwecks Erhöhung der Winterfestigkeit ist sinnvoll. Vegetationskegel bleibt dicht am Boden und ist bzgl. Kahlfrösten besser geschützt. Wüchsige Hybriden erreichen dieses Stadium schon ab 20 Tage nach der Saat und sollten daher nicht zu früh gesät werden.
  • Begrenzte Absicherung gegen Kahlfröste.
  • Unter extremen winterlichen Witterungsbedingungen wie im Februar 2012 reicht der Effekt der Fungizide aber nicht aus.
  • In Beständen mit über 50 Pflanzen bei hoher Stickstoffversorgung und guten Wachstumsbedingungen ist frühe Einkürzung im 3-4 Blattstadium wichtig.
  • Bei dichten, überdüngten Beständen oder starker N-Mineralisierung ist kein ausreichender Effekt erzielbar. 
  • In dünnen Beständen ( 30 - 40 Pflanzen/m²) geringere Aufwandmenge oder Fungizid mit geringerem Einkürzungseffekt wählen.
  • Bei Frühsaaten und zügiger Entwicklung kann eine Doppelbehandlung notwendig sein. Aufteilung:  1. Behandlung im 3 - 4 Blattstadium mit 40 % Aufwandmenge, Folgebehandlung ab 6 Blattstadium mit 60 % Aufwandmenge, dann auch mit besserer Phomawirkung.
  • Anwendung  zum 4-Blatt-Stadium sichert keine Phoma-Befallsfreiheit bis in den Oktober hinein.
  • Bei trockenen Bedingungen ist die Aufwandmenge zu reduzieren, die Behandlung zu verschieben oder eventuell darauf zu verzichten.
  • Sorten mit schneller Jugendentwicklung benötigen höhere Aufwandmengen.

 Die Sortenauswahl bestimmt die Wüchsigkeit, Phomaanfälligkeit und Winterhärte, LLH Sortenbeschreibung

 

Verticillium ist mittlerweile im Rapsanbau weit verbreitet. Fungizide haben keine Wirkung gegen diesen erst zur Ernte optisch in Erscheinung tretenden Pilz. Auf stärkeren Befallsstandorten sind Verticillium-robuste Sorten wie z.B. SY Saveo zu bevorzugen.

Die Phomabekämpfung ist in der Mehrzahl der Jahre von untergeordneter Bedeutung. Die Krankheit tritt in Westdeutschland (NRW) witterungsbedingt häufiger auf. Eine Sortenwahl nur vor dem Hintergrund Phomatoleranz ist derzeit nicht notwendig. Zudem sind neuere Sorten weniger anfällig gegen Phoma als schon länger im Markt vorhandene.

Infektionsherde  für Phoma sind alte Rapsstoppeln und befallener Ausfallraps von Nachbarflächen. Erhöhtes Risiko besteht nach Ernte ab August bis Oktober bei feucht-warmem Wetter  und Nachttemperaturen über 10 °C.

Daher sollten alte Rapsstoppeln eingearbeitet sein, wenn neuer Raps aufläuft. Schadwirkung: Früher Herbstbefall mit Phoma ist nur gefährlich, wenn ein feucht-warmer Winter folgt. Erstbefall im Frühjahr kann bis zur Ernte nicht mehr zur gefürchteten Wurzelhalsfäule führen. Trocken-kalter Winter stoppt jedoch die Infektion und ermöglicht im Frühjahr nur geringe Schadwirkung. Die Witterung nach der Infektion ist damit entscheidend für die Schadwirkung. Ob eine Bekämpfung von Phoma rentabel ist, lässt sich zum Behandlungstermin nicht erkennen.  Bei günstigen Befallsbedingungen und entsprechendem Auftreten sind spezielle Fungizide in voller Aufwandmenge für eine ausreichende Wirkung erforderlich wie z.B.: Cantus Gold 0,5 l/ha, Score 0,5 l/ha, Tilmor 1,2 l/ha, Toprex 0,5 l/ha.   Wirtschaftliche Mehrerträge durch Phomabekämpfung dürften aber allgemein eher die Ausnahme sein. Hingegen ist die Reduzierung des Auswinterungsrisikos mittels der Fungizide von ungleich größerer Bedeutung.

Botrytis cinerea (Grauschimmel):

Nachdem durch die besondere Wetterlage im Februar 2012 viele Rapsbestände stark geschädigt wurden, konnte sich auf diesen geschwächten Pflanzen der Grauschimmelpilz Botrytis etablieren. Dieser Pilz ist als Sekundärschädling anzusehen. Weder eine vorbeugende Fungizidbehandlung im Herbst noch eine Behandlung nach erfolgter Infektion ist erfolgversprechend. Indikationen gegen diesen Pilz in Winterraps gibt es zudem nicht. So sollte eine Behandlung von Wachstumsreglern/Fungiziden keineswegs auf diesen Schaderreger ausgerichtet werden.

Auswinterung

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