Änderung der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung

Hinweise zur den Neuerungen der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung (5. Fassung)

Die 5. Fassung der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung ist nun in Kraft.

Im Folgenden wichtige Regeln, die ab sofort zu beachten sind:

Glyphosat:
Grundsätzliches: Glyphosat darf generell nur noch dann und im Einzelfall eingesetzt werden, wenn alternative Verfahren zur Unkrautregulierung nicht geeignet und zumutbar sind. So muss vor jedem Einsatz geprüft werden, ob es andere integrierte Möglichkeiten zur Unkrautregulierung gibt, die erst auszuschöpfen sind.

Neue Regelungen im landwirtschaftlichen Ackerbau
•    Spätanwendungen vor der Ernte sind nicht mehr erlaubt, auch nicht auf Teilflächen.
•    Anwendung von Glyphosat in Wasserschutzgebieten, Heilquellenschutzgebieten und Kern- und Pflegezonen von Biosphärenreservaten ist nicht mehr erlaubt.

Unter welchen Umständen ist ein Glyphosateinsatz im landwirtschaftlichen Ackerbau weiterhin möglich?
•    Im Rahmen eines Direktsaat- bzw. Mulchsaatverfahrens zur Unkrautbekämpfung einschließlich Beseitigung von Mulch- und Ausfallkulturen zur Vorsaatbehandlung oder zur Stoppelbehandlung . 
•    Auf Flächen, die nach der Agrarzahlungen-Verpflichtungenverordnung in einer Erosionsschutzkategorie CC 1 und CC 2 und CC Wind liegen: Zur Unkrautbekämpfung im Rahmen der Vorsaatbehandlung oder zur Stoppelbehandlung einschließlich der Beseitigung von Mulch- und Ausfallkulturen.

In anderen landwirtschaftlichen Anbauverfahren (keine Direkt- oder Mulchsaat, keine CC1, CC2 CC Wind Einstufung) gilt:
Vor der Saat oder zur Stoppelbehandlung nur auf Teilflächen zur Bekämpfung von dort vorkommenden perennierenden Unkrautarten, wie z.B. Quecke, Ackerkratzdistel, Ackerwinde, Landwasserknöterich in bekämpfungwürdigem Umfang. Es sind jedoch vorher erst alle anderen Möglichkeiten zu deren Regulierung zu prüfen. Jeder Einsatz auf betroffenen Teilflächen sollte für Kontrollen nachvollziehbar schriftlich begründet /dokumentiert werden.

Grünland:
Eine flächige Anwendung ist zur Erneuerung des Grünlandes erlaubt, wenn auf Grund starker Verunkrautung eine Weiterführung unwirtschaftlich wäre. Auf Teilflächen kann gegen für Weidetiere giftige Unkräuter, wie z.B. Jakobskreuzkraut, vorgegangen werden. Weiterhin ist ein Glyphosateinsatz zur Vorbereitung einer Neuansaat von Grünland erlaubt, wenn die Fläche einer CC Erosionsgefährdungsklasse zugeordnet und ein Umbruch nicht erlaubt ist.

Naturschutz:
In Naturschutzgebieten, Nationalparken, Naturdenkmälern und gesetzlich geschützten Biotopen dürfen
•    keine Herbizide mehr eingesetzt werden.
•    auch Insektizide, die als bienengefährlich (B1 bis B3) oder als bestäubergefährlich (NN410) eingestuft worden sind, dürfen nicht mehr eingesetzt werden.
Die Verbote gelten auch in Gebieten von gemeinschaftlicher Bedeutung (GGB-Gebiete), auch bezeichnet als FFH-Gebiete, ausgenommen Flächen zum Gartenbau, Obst- und Weinbau, Anbau von Hopfen und sonstigen Sonderkulturen, zur Vermehrung von Saatgut und Pflanzgut sowie Ackerflächen, die nicht als Naturschutzgebiet, Nationalpark, Nationales Naturmonument oder Naturdenkmal ausgewiesen sind.

Gewässer:
•    Bundesweit gilt in einem 10m Abstand zu Gewässern, gemessen ab der Böschungsoberkante, ein Anwendungsverbot von Pflanzenschutzmitteln.
•    Dieser Abstand kann auf 5m reduziert werden, sofern eine geschlossene, ganzjährig begrünte Pflanzendecke vorhanden ist. Dieser Randstreifen darf nur einmal innerhalb von fünf Jahren eine Bodenbearbeitung erfahren.
Diese Regelungen gelten nur für Gewässer mit wasserwirtschaftlicher Bedeutung.
Welche Gewässer dazu zählen, ist im Geoportal Hessen einsehbar.
Anmerkung zur Karte im Geoportal: Auf der Karte im Geoportal werden nur wasserwirtschaftlich relevante Gewässer eingezeichnet. Es betrifft also alle "blauen Linien", auch diejenigen, welche lange Zeit kein Wasser geführt haben.
Daher wäre es wichtig, dauerhaft trockenliegende Gräben ohne ausgebildete Graben-Struktur dem Hessischen Landesamt für Naturschutz und Geologie (HLNUG), Dezernat W3 – Hydrologie, Hochwasserschutz, Mainzer Straße 80, 65189 Wiesbaden, zur Plausibilitätsprüfung schriftlich zu melden, unter Angabe des Abfragedatums der Karte, damit Aktualisierungen durchgeführt werden können.

Werden mit der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln in den festgelegten Anwendungsbestimmungen größere Abstände zu Oberflächengewässern gefordert, müssen diese eingehalten werden!


Sofern geplant ist, den reduzierten Gewässerabstand von 5m zu nutzen, sollte das Anlegen von entsprechenden Randstreifen in die aktuelle Aussaatplanung 2021 mit einbezogen werden. So können diese im Frühjahr als etablierte Randstreifen dienen.

In den folgenden Folien werden die wichtigsten Punkte zur neuen Pflanzenschutzanwendungsverordnung noch einmal verdeutlicht:

Checkliste Glyphosat

Einschränkungen beim Glyphosateinsatz (Tablot)

Die Änderungen der Pflanzenschutzanwendungsverordnung mit Fragen und Antworten