Stand 03.11.2021

Insektizide Wirkstoffklassen IRAC

Gewässerabstand von pauschal  5 m mindestens einhalten. Darüber hinaus je nach Mittel abdriftreduzierende Düsen vorgeschrieben und auch Drainageauflagen sowie Abstände zu Saumstrukturen.

 

Zur Umsetzung eines nachhaltigen Rapsanbaus müssen gerade gegen Insekten im Raps verschiedene Aspekte berücksichtigt werden :

Warndienstaufrufe beachten, die auf Monitoring-Ergebnissen beruhen
oder selbst Überprüfung im
Feld vornehmen.

Nur gezielte, fachlich notwendige Anwendungen nach Überschreitung von Schadschwellen um weitere Selektion hin zu resistenten Insekten zu vermeiden. Jede Anwendung trägt zur weiteren Selektion bei.

Zugelassene volle Aufwandmengen und möglichst viel Wasseraufwand einsetzen.
Auf Bienentoxizität und Wirkung auf andere
Bestäuberinsekten achten.
Besonders in Tankmischung mit anderen Pflanzenschutzmitteln wie z.B.
Azolen.

Blütebehandlungen abends vornehmen, wenn weniger Bienen und andere Bestäuberinsekten aktiv sind.

Resistenzen gegen den Gefleckten Kohltriebrüssler bei Pyrethroiden wurden nachgewiesen.
Gegen Rapsglanzkäfer sind seit Jahren resistenzbedingt nur Wirkungsgrade von Typ II
Pyrethroiden von 10-25 % erreichbar. Daher bei Überschreitung von Schadschwellen und gleichzeitigem Auftreten von Rapsglanzkäfern und Rüsselkäfern im Frühjahr Pyrethroid Typ I Trebon 30 EC mit vollen Aufwandmenge verwenden. Nach einsetzender Knospenbildung aber noch vor Blüte des Rapses kann bei starkem Rapsglanzkäferauftreten von über 10 Käfern / Haupttrieb das bienengefährliche Avaunt verwendet werden. Maximal bis Blühbeginn !
Die
Neonicotinoide Mospilan SG und Danjiri können bis vor Blüte (Blüte noch geschlossen) zur ausschließlichen Rapsglanzkäferbekämpfung eingesetzt werden. Es ist auch hier von nachlassender Wirkung auszugehen. Öffnen sich erste Blütenblätter ist zwar das bienenungefährliche Pyrethroid Mavrik/Evure zugelassen aber die Schaden durch Rapsglanzkäfer ist nicht mehr relevant.
Während der Blüte können Kohlschotenrüssler und Kohlschotenmücke auftreten. Auch hier sind Minderwirkungen
von allen Pyrethroiden gegen den Rüssler zu verzeichnen. Meist sind Spritzungen nicht notwendig oder auf Randbehandlungen zu beschränken.

 

Handelsname

Avaunt

Danjiri

Mospilan SG

Trebon 30 EC

Mavrik Vita / Evure

Decis
forte

Hunter

Fury
10 EW

Karate
Zeon

Nexide

Sumicidin
Alpha
EC

Kaiso
Sorbie

Lamdex
Forte

Shock
Down

Cyperkill Maxx

Sherpa Duo

Wirkstoffgruppe

Oxa-diazin

Neonicotinoide

Pyrethroid
Gruppe 1

Pyrethroid Gruppe 2

Aufwandmenge in ml oder g pro ha

   

Schwarzer
Kohltriebrüssler (Herbst)

-

    -

-

-

-

75

  150

-

75

80

250

-

150

-

50

250

Großer Rapsstängelrüssler

-

    -

-

200

-

75

  150

100

75

80

250

150

150

-

50

-

Gefleckter Kohltriebrüssler

-

    -

-

200

-

75

  150

100

75

80

250

150

150

-

50

-

Rapsglanzkäfer

170

200

200

200

200

k.E.

  k.E.

k.E.

k.E.

k.E.

k.E.

k.E.

k.E.

k.E.

k.E.

k.E.

Kohlschotenrüssler

-

-

-

200

200

75

  150

100

75

80

250

150

150

150

-

-

Kohlschotenmücke

-

-

-

-

200

50

  150

-

75

80

-

150

150

150

-

-

Erdfloh (Herbst)

-

-

-

-

200

75

  150

 

75

80

250

150

150

150

50

250

Bienenschutzauflage bei Soloanwendung

      B 1     B 4         B 4      B 2     B 4     B 2      B 4      B 2      B 4      B 4            B 2       B 4         B 4      B 2           B 1       B 1

Anzahl erlaubte Anwendungen

1

1

1

2

1

3

    1

2

2

2

2

1

2

2

2

2

 

 

Bienenschutz bei Tankmischungen mit mehreren Insektiziden:

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) weist darauf hin, dass Tankmischungen von Insektiziden mit Insektiziden (z.B. Karate + Mospilan SG) zum Schutz der Bienen nicht auf blühende oder von Bienen beflogenen Pflanzen ausgebracht werden sollen, auch wenn die jeweiligen Mischpartner solo bienenungefährlich sind.

 

Zeitraum Kontrolle Feststellen des Befalls Bekämpfungsrichtwert
Rapsglanzkäfer ab Knospenbildung bis Blühbeginn Abklopfen vom Haupttrieb 10  Käfer pro Haupttrieb bei normalem Bestand
5    Käfer pro Haupttrieb bei schwachem Bestand
Großer Rapsstängelrüssler ab Vegetationsbeginn bis April Gelbschalen mit Gitter
bei über 10 °C Tagestemperatur
5    Käfer in 3 Tagen
Gefleckter Kohltriebrüssler ab Vegetationsbeginn bis April Gelbschalen mit Gitter
bei über 10 ° C Tagestemperatur
15  Käfer in 3 Tagen

 

k.E. = aus Resistenzgründen keine Empfehlung für diese Indikation

B 1 = bienengefährlich, blühende Pflanzen (auch blühende Unkräuter) dürfen nicht getroffen  werden
B 2 = Nur nach Beendigung des täglichen Bienenfluges bis 23:00. (Flugende ist zumeist schwierig erkennbar. Spätestens um 23 Uhr muss die Behandlung abgeschlossen sein)
B 4 = bienenungefährlich

Bienenungefährliche Insektizide, welche in die Rapsblüte appliziert werden und auch Nichtzielarthropoden schädigen oder treffen können, haben die nicht bußgeldbewehrte Auflage NN 410:

Das Mittel wird als schädigend für Populationen von Bestäuberinsekten eingestuft. Anwendungen des Mittels in die Blüte sollten vermieden werden oder insbesondere zum Schutz von Wildbienen in den Abendstunden erfolgen.

Was bedeutet das für die praktische Anwendung ? 
Es bleibt grundsätzlich die Bienenungefährlichkeit (B4) bei Soloeinsatz erhalten, ein Einsatz in die Blüte erlaubt. Es empfiehlt sich aus Vorsorgegründen und dort, wo aus arbeitswirtschaftlichen Gründen dies möglich ist, Behandlungen in die Abendstunden nach 19:00 zu verlegen.


Weitere Auflagen sind der Gebrauchsanleitung zu entnehmen

 

Bienengefährlichkeit bei Mischungen von Insektiziden und Fungiziden