Beizmittel in Wintergetreide

Stand: 29.08.2019

In 2019 hat der Befall mit Flugbrand und Hartbrand zugenommen. Grund: Keine Beizung oder Beize ohne Flugbrandwirkung oder Elektronenbeizung, die keine Flugbrandwirkung aufweist.

Die Verwendung ungebeizten Saatgutes kann an Gerste zu Befall mit  Streifenkrankheit, Flugbrand und Schneeschimmel führen. Aber auch Typhula und samenübertragbare Netzflecken treten auf. An Weizen stehen Weizensteinbrand, Flugbrand und Schneeschimmel im Vordergrund, während bei Roggen und Triticale hauptsächlich Schneeschimmel relevant ist. Durch jahrelange konsequente Beizung besteht zumeist kaum Druck mit genannten Krankheitserregern. Die Beizwirkung richtet sich gegen die genannten samenübertragbaren Krankheiten. Es kann aber auch vereinzelt über Bodeninfektionen mit z.B. Zwergsteinbrand an Weizen und Dinkel oder auch Steinbrand kommen. 

Auf Standorten mit erhöhtem Risiko für Schwarzbeinigkeit (Getreidevorfrucht und Frühsaat) kann gegen diese Wurzelerkrankung vorbeugend gebeizt werden. Die derzeit einzig dagegen einsetzbare Beize Latitude muss aber mit einer weiteren Beize gemischt werden um die Steinbrandbekämpfung sicherzustellen.

Beizungen sollten möglichst nur in geprüften Beizanlagen vorgenommen werden, um ein optimales Beizbild bei geringsmöglichem Abrieb zu gewährleisten.

Insektizide Beizen gegen virusübertragende Läuse, welche das Gelbverzwergungsvirus (BYDV) übertragen oder Zikaden, welche das Weizenverzwergungsvirus (WDV) übertragen, sind derzeit nicht zugelassen:

Die Einfuhr und Aussaat von neonicotinoid-gebeiztem Saatgut ist verboten

Damit sind nur gezielte Spritzungen mit Insektiziden bei begrenztem Erfolg möglich.  Zur Abwehr von Krähenfraß sind ebenfalls keine Beizen mehr zugelassen. Gegen Brachfliege konnte früher die Contor Plus Beize eingesetzt werden. Diese ist jedoch nicht mehr zugelassen- die Aufbrauchfrist ist abgelaufen. Brachfliegen treten nur sporadisch auf. Gut rückverfestigtes Saatbett kann den Schaden durch die Larven der Brachfliege reduzieren.

Zur Verringerung der Umweltbelastung durch eventuell auftretende Beizstäube sollte die Behandlung in profesionellen Beizstellen erfolgen. Es ist auf gut gereinigtes Saatgut zu achten. Zusatzstoffe zur Haftverbesserung wie Inteco, Formel M, Maximal Flow verbessern die Verteilung des Fungizids und erhöhen die Haftung ab Saatkorn.

In der Erprobung sind Zusatzbeizen mit Spurennährstoffen.

Elektronische Beizen gegen saatgutübertragbare Krankheiten sind in der Erprobung oder werden schon vertrieben. Die Wirkung scheint vielversprechend und die Kosten sind nicht höher als mit chemischen Beizen. Es werden keine Rückstände produziert und ein schnellerer Feldaufgang soll erzielt werden.

 Übersicht ausgewählter Beizen, Angaben in ml/dt Saatgut   

Beize                              

Wirkstoffgehalt            
g/l bzw. g/kg    

                                Weizen                           Gerste Winterroggen
Wintertriticale
   

Stein-
brand 

Flug-
brand
Schnee-
schimmel
u. Fusariosen
Streifen-
krankheit
Flug-
brand
Schnee-
schimmel
Netz-
flecken
Rhyncho-
sporium    
Typhula Mehltau Schnee-
schimmel
Stängel-
brand     
Arena C +
(Formel M, Haftmittelzusatz)
25 Fludioxonil
5 Tebuconazol
200 +
(80)
200 +
(80)
200 +
(80)
              150 +  (80) 150 + (80)
Baytan 3
( mit Inteco 30 ml/dt als Haftmittelzusatz)

 

 

5 Fluopyram
25 Prothioconazol
187,5 Triadimenol
200 200 incl.
Gerstenhartbrand
    200 200 200 200
Celest
(mit integriertem Formel M, Haftmittelzusatz)
25 Fludioxonil 200   200              

150

150
in Triticale 200
EfA
( mit Inteco 30 ml/dt als Haftmittelzusatz)
37,5 Fluoxastrobin
25 Prothioconazol
3,75 Tebuconazol
10 Triazoxid
160 160 160 160 160   160       120 120
incl. Septoria nodorum incl. Steinbrand auch Fusarium culmorium
Landor CT
(mit integriertem Haftmittelzusatz)
20 Difenoconazol
25 Fludioxonil
5 Tebuconazol
200,
auch Zwerg-
steinbrand
200 200 200 200 200         150 150
Orius Universal 15 Tebuconazol
60 Prochloraz
200 200 200 200  200 200         200 200
auch Fusarium culmorum
Rubin TT 42 Pyrimethanil
42 Prochloraz
25 Triticonazol
200 200 200 250 250           150 150
Rubin Plus * 33,3 Triticonazol
33,3 Fluxapyroxad
33,3 Fludioxinil
150 150 150 150 150 150 150
Toledo
( mit Inteco 30 ml/dt als Haftmittelzusatz) 
37,5 Fluoxastrobin
37,5 Prothioconazol
160 160 120 120
Vibrance Trio ** 25 Sedaxane
15 Fludioxinil
10 Tebuconazol
200
+ Rhizoctonia
+ Septoria nod.
200 200 200 200 200 200 200 200
Zardex G 20 Imazalil
5 Cyproconazol
      300 300              
Latitude XL***
(muss zusätzlich zur Standard-
beize angebeizt werden)
125 Silthiofam nur gegen Schwarzbeinigkeit
wirksam;   200 

      nur gegen Schwarzbeinigkeit wirksam;   200  nur in Triticale;
nur Schwarzbeinigkeit;
200

 

Beizen mit biologioschen Wirkstoffen, hauptsächlich zur Befallsminderung:

Beize                                   

Wirkstoffgehalt            
g/l bzw. g/kg         

Weizen Gerste Roggen Triticale Dinkel
Cerall Pseudomonas chloroaphis
Stamm MA 342 200 g/l; 4E+12 cfu/l
Steinbrand, Fusarium, Septoria nodorum
1 l/dt
Fusariumarten
1 l/dt
Fusarium 1 l/dt
Cedomon Pseudomonas chloroaphis
Stamm MA 342
Fusariumarten,
Netzflecken,
Streifenkrankheit 0,75 l/dt
Steinbrand 0,75 l/dt

 * Neue Auflagen:
NH677 Auf Packungen mit gebeiztem Saatgut ist folgende Kennzeichnung anzubringen: "Verschüttetes Saatgut sofort zusammenkehren und entfernen."

NH678 Auf Packungen mit gebeiztem Saatgut ist folgende Kennzeichnung anzubringen: "Das Mittel ist giftig für Kleinsäuger; deshalb dafür sorgen, dass kein Saatgut offen liegen bleibt. Vor dem Ausheben der Schare Dosiereinrichtung rechtzeitig abschalten, um Nachrieseln zu vermeiden."

NH679 Auf Packungen mit gebeiztem Saatgut ist folgende Kennzeichnung anzubringen: "Das Mittel ist giftig für Vögel; deshalb dafür sorgen, dass kein Saatgut offen liegen bleibt. Vor dem Ausheben der Schare Dosiereinrichtung rechtzeitig abschalten, um Nachrieseln zu vermeiden."

NH681 Auf Packungen mit gebeiztem Saatgut ist folgende Kennzeichnung anzubringen: "Keine Ausbringung des behandelten Saatgutes bei Wind mit Geschwindigkeiten über 5 m/s."

NH682 Auf Packungen mit gebeiztem Saatgut ist folgende Kennzeichnung anzubringen: "Das behandelte Saatgut einschließlich enthaltener oder beim Sävorgang entstehender Stäube vollständig in den Boden einbringen."

NW467 Mittel und dessen Reste, entleerte Behältnisse oder Packungen sowie Spülflüssigkeiten nicht in Gewässer gelangen lassen. Dies gilt auch für indirekte Einträge über die Kanalisation, Hof- und Straßenabläufe sowie Regen- und Abwasserkanäle.

SF6142-1 Beim Umgang mit gebeiztem Saatgut sind Schutzhandschuhe (Pflanzenschutz) und Schutzanzug gegen Pflanzenschutzmittel zu tragen.

SF6161-1 Beim Absacken des Saatgutes sind Schutzhandschuhe (Pflanzenschutz) und Schutzanzug gegen Pflanzenschutzmittel zu tragen.

SF618-1 Beim Reinigen der Beizgeräte sind Schutzhandschuhe (Pflanzenschutz) und Schutzanzug gegen Pflanzenschutzmittel zu tragen.

SS1201-1 Bei der Ausbringung/Handhabung des Mittels sind Schutzhandschuhe (Pflanzenschutz) zu tragen.

SS2204 Schutzanzug gegen Pflanzenschutzmittel und festes Schuhwerk (z. B. Gummistiefel) tragen bei der Ausbringung/Handhabung des Mittels.

SS610 Gummischürze tragen beim Umgang mit dem unverdünnten Mittel.

ST1102 Partikelfiltrierende Halbmaske FFP2 oder Halbmaske mit Partikelfilter P2 (Kennfarbe: weiß) gemäß BVL-Richtlinie für die Anforderungen an die persönliche Schutzausrüstung im Pflanzenschutz, in der jeweils geltenden Fassung, tragen beim Umgang mit dem unverdünnten Mittel.

ST1271 Partikelfiltrierende Halbmaske FFP2 oder Halbmaske mit Partikelfilter P2 (Kennfarbe: weiß) gemäß BVL-Richtlinie für die Anforderungen an die persönliche Schutzausrüstung im Pflanzenschutz, in der jeweils geltenden Fassung, tragen beim Reinigen des Beizgerätes.

** Neue Auflagen:

NH677 Auf Packungen mit gebeiztem Saatgut ist folgende Kennzeichnung anzubringen: "Verschüttetes Saatgut sofort zusammenkehren und entfernen."

NH679 Auf Packungen mit gebeiztem Saatgut ist folgende Kennzeichnung anzubringen: "Das Mittel ist giftig für Vögel; deshalb dafür sorgen, dass kein Saatgut offen liegen bleibt. Vor dem Ausheben der Schare Dosiereinrichtung rechtzeitig abschalten, um Nachrieseln zu vermeiden."

NH680 Auf Packungen mit gebeiztem Saatgut ist folgende Kennzeichnung anzubringen: "Behandeltes Saatgut und Reste wie Bruchkorn und Stäube, entleerte Behältnisse oder Packungen sowie Spülflüssigkeiten nicht in Gewässer gelangen lassen. Dies gilt auch für indirekte Einträge über die Kanalisation, Hof- und Straßenabläufe sowie Regen- und Abwasserkanäle."

NH684 Auf Packungen mit behandeltem Saatgut ist die im Rahmen der Zulassung festgelegte maximal zulässige Aussaatstärke pro Hektar anzugeben. Bei einer Kombination mehrerer Saatgutbehandlungsmittel ist die niedrigste zulässige Aussaatstärke maßgeblich.

NT699-2 Die Anwendung des Mittels auf Saatgut darf nur in professionellen Saatgutbehandlungsein-richtungen vorgenommen werden, die in der Liste "Saatgutbehandlungseinrichtungen mit Qualitätssicherungssystemen zur Staubminderung" des Julius Kühn-Instituts aufgeführt sind (einzusehen auf der Homepage des Julius Kühn-Instituts <http://www.jki.bund.de>).
Die Vorgaben dieser Anwendungsbestimmung sind vom 01.01.2020 an zu erfüllen.


NT715-1 Durch ein geeignetes Beizverfahren, das insbesondere die Verwendung eines geeigneten Haftmittels beinhaltet, ist sicherzustellen, dass die Wirkstoffmenge  im Staub (Summe der enthaltenen Wirkstoffe), die vom behandelten Saatgut pro Hektar abgerieben werden kann (Heubach a.s.-Wert in g Summe der Wirkstoffe im abgeriebenen Staub/ha), den Referenz-Wert von 0,2 g pro 180 kg Saatgut und Hektar nicht überschreitet.
Der Nachweis ist mit Hilfe der Heubach-Methode und entsprechender Analytik zur erbringen. Der Heubach a.s.-Wert entspricht den Referenzwerten für die Qualität von Getreide in professionellen Beizstellen mit Qualitätssicherungssystemen. Eine Dokumentation der gemessenen Heubach a.s.-Werte ist im Rahmen eines Zertifizierungsverfahrens vorzuhalten.
Änderungen in der Art und Menge der eingesetzten Zusatzstoffe oder beim Einsatz neuer Beizgerätetechnik erfordern einen neuen Nachweis.
Die Vorgaben dieser Anwendungsbestimmung sind vom 01.01.2020 an zu erfüllen.

 

NW467 Mittel und dessen Reste, entleerte Behältnisse oder Packungen sowie Spülflüssigkeiten nicht in Gewässer gelangen lassen. Dies gilt auch für indirekte Einträge über die Kanalisation, Hof- und Straßenabläufe sowie Regen- und Abwasserkanäle.

SF6142-1 Beim Umgang mit gebeiztem Saatgut sind Schutzhandschuhe (Pflanzenschutz) und Schutzanzug gegen Pflanzenschutzmittel zu tragen.

SF6161-1 Beim Absacken des Saatgutes sind Schutzhandschuhe (Pflanzenschutz) und Schutzanzug gegen Pflanzenschutzmittel zu tragen.

SF6181-1 Beim Reinigen der Beizanlage sind Schutzhandschuhe (Pflanzenschutz), Schutzanzug gegen Pflanzenschutzmittel und Gummischürze zu tragen.

SS1201-1 Bei der Ausbringung/Handhabung des Mittels sind Schutzhandschuhe (Pflanzenschutz) zu tragen.

SS2204 Schutzanzug gegen Pflanzenschutzmittel und festes Schuhwerk (z. B. Gummistiefel) tragen bei der Ausbringung/Handhabung des Mittels.

SS500 Gesichtsschutz tragen bei der Ausbringung/Handhabung des Mittels.

SS6201 Gummischürze tragen bei der Ausbringung/Handhabung des Mittels.

 *** Neue Auflagen:

NH677 Auf Packungen mit gebeiztem Saatgut ist folgende Kennzeichnung anzubringen: "Verschüttetes Saatgut sofort zusammenkehren und entfernen."

NH680 Auf Packungen mit gebeiztem Saatgut ist folgende Kennzeichnung anzubringen: "Behandeltes Saatgut und Reste wie Bruchkorn und Stäube, entleerte Behältnisse oder Packungen sowie Spülflüssigkeiten nicht in Gewässer gelangen lassen. Dies gilt auch für indirekte Einträge über die Kanalisation, Hof- und Straßenabläufe sowie Regen- und Abwasserkanäle."

NH681 Auf Packungen mit gebeiztem Saatgut ist folgende Kennzeichnung anzubringen: "Keine Ausbringung des behandelten Saatgutes bei Wind mit Geschwindigkeiten über 5 m/s."

NH682 Auf Packungen mit gebeiztem Saatgut ist folgende Kennzeichnung anzubringen: "Das behandelte Saatgut einschließlich enthaltener oder beim Sävorgang entstehender Stäube vollständig in den Boden einbringen."

NW467 Mittel und dessen Reste, entleerte Behältnisse oder Packungen sowie Spülflüssigkeiten nicht in Gewässer gelangen lassen. Dies gilt auch für indirekte Einträge über die Kanalisation, Hof- und Straßenabläufe sowie Regen- und Abwasserkanäle.

SF6142-1 Beim Umgang mit gebeiztem Saatgut sind Schutzhandschuhe (Pflanzenschutz) und Schutzanzug gegen Pflanzenschutzmittel zu tragen.

SF6161-1 Beim Absacken des Saatgutes sind Schutzhandschuhe (Pflanzenschutz) und Schutzanzug gegen Pflanzenschutzmittel zu tragen.

SF618 Universal-Schutzhandschuhe (Pflanzenschutz) und Schutzanzug gegen Pflanzenschutzmittel tragen beim Reinigen der Beizgeräte.

SS1201-1 Bei der Ausbringung/Handhabung des Mittels sind Schutzhandschuhe (Pflanzenschutz) zu tragen.

SS2204 Schutzanzug gegen Pflanzenschutzmittel und festes Schuhwerk (z. B. Gummistiefel) tragen bei der Ausbringung/Handhabung des Mittels.