Beizung gegen Drahtwurm

Stand: 13.03.2019

Aktuelle Situation

Aufgrund der Trockenheit gab es 2018 nur wenige Flächen mit stärkerem Drahtwurmbefall.  Dies kann sich aber 2019 wieder ändern. Der Drahtwurm kann diese Trockenperioden tief im Boden überdauern und in diesem Jahr wieder für mehr Probleme sorgen.
Allgemein ist eine Zunahme des Drahtwurmbefalls in Kartoffeln in den letzten Jahren festzustellen. Mehrere Faktoren begünstigen  die Ausbreitung des Drahtwurms:
Durch die Zunahme des Zwischenfruchtanbaues im Zuge der geforderten Greeningmaßnahmen wird den Drahtwürmern ein geeigneter Lebensraum geboten. Dort, wo Landwirte auf  Minimalbodenbearbeitung setzen, wird der Lebensraum nicht mehr ausreichend zerstört. Hinzu kommt, dass wirksame Insektizide wie Goldor Bait  nicht mehr vorhanden sind.

Warum muss der Drahtwurm bekämpft werden?
Durch eine Drahtwurmbekämpfung wird vor allem der Anteil vermarktungsfähigerer Ware erhöht und der Sortieraufwand reduziert.


Wie kann man den Drahtwurmbesatz durch ackerbauliche Maßnahmen reduzieren?

Grüne Brücken vermeiden, um den Lebensraum des Drahtwurms auszutrocknen und das Nahrungsangebot zu verknappen. Mehrfache Stoppelbearbeitung (wirksame Maßnahme) zerstört die frischen Eigelege des Drahtwurm aus dem Frühsommer. Stroh abfahren, um den Boden auszutrocken.


Biologische Möglicheiten der Drahtwurmbekämpfung: Notfallgenehmigung für ATTRACAP gegen Drahtwurm

Gemäß Artikel 53 der EU-Zulassungsverordnung wurde das Mittel ATTRACAP (Ködergranulat mit dem Wirkstoff Metarhizium brunneum Stamm C15) zur Bekämpfung des Drahtwurmes in Kartoffeln für die Zeit vom 15. Februar - 14. Juni 2019 für 120 Tage zugelassen.
Die Zulassung ist für Kartoffeln auf befallsgefährdeten Flächen, insbesondere im Ökolandbau vorgesehen. Die Menge ist auf 3500 ha beschränkt.
In Versuchen wurden Wirkungsgrade bis max. 50-60% mit schwachem Befall erzielt, die sehr stark boden- und standortabhängig sind!
Bei stärkerem Befall sinken die Wirkungen deutlich ab. Auf Flächen mit zu erwartendem starkem Drahtwurmbefall sollten keine Kartoffeln angebaut werden.

Indikationen von Attracap

Einsatzgebiet:

Ackerbau

Schadorganismus:

Schnellkäfer (Drahtwurm)

Pflanzen:

Kartoffel

Anwendungsbereich/-Zeitpunkt:

Freiland, bei Pflanzung

Anwendungstechnik

Streuen

Erläuterung:

Einmischen in die offene Furche über Granulatstreuer

Aufwandmenge:

30 kg/ha

Max. Anzahl der Behandlungen:

1

Wartezeit

F (Festsetzung einer Wartezeit ist nicht erforderlich)

Wichtiger Hinweis zu Attracap
Nach Herstellerempfehlung nur eingeschränkte gemeinsame Ausbringung mit anderen Pflanzenschutzmitteln, z.B. Fungiziden! Vor geplanter Mischung Rücksprache mit Hersteller nehmen. Verträglich ist das Produkt mit Monceren Pro, Proradix, Funguran Progress, Cuprozin Progress.
Bei der Anwendung muss sichergestellt sein, dass kein Granulat auf der Bodenoberfläche liegen bleibt. Aus diesem Grund muss der Granulatstreuer so abgeschaltet werden, dass das Fallrohr beim Erreichen des Vorgewendes leer ist, und dass Granulat vollständig bedeckt ist. Falls Granulate auf der Oberfläche liegen bleiben sollten, ist dafür zu sorgen, dass diese umgehend entfernt werden, bzw. nachträglich eingearbeitet werden.
Keine Ausbringung des Granulates bei Wind mit Geschwindigkeiten über 5 m/s.


Weitere Informationen zur Drahtwurmbekämpfung

Wenn Kalkstickstoff (400-500 kg/ha) vor dem Häufeln ausgebracht wird, kann auf stark befallenen Flächen eine Teilwirkung gegen den Schädling erzielt werden. Um den Wirkungsgrad zu erhöhen, muss die Kalkstickstoffdüngung in die Fruchtfolge integriert und jährlich auf der befallenen Fläche ausgebracht werden.
Durch eine konsequente Unkraut- und Ungrasbekämpfung im Frühjahr wird die Attraktivität der Fläche für die Eiablage der Schnellkäfer reduziert.

Möglichkeiten der Feststellung von Drahtwurmbefall mit dem Köder-Nachweis-Verfahren 
-Zur Kontrolle der Drahtwurmpopulation  drei Wochen vor der Kartoffelpflanzung an vier Stellen des Feldes von je 0,25 m² vier Kartoffelhälften in 5 - 10 cm Tiefe vergraben. Schäden nach einiger Zeit kontrollieren.

-5 x 4 Häufchen keimendes (24 h vorgequollenes) Getreide pro m² in 30 cm Abstand auslegen (mit Erde bedecken und markieren). Schäden kontrollieren.

-Alternativ kann man auch Bodenproben ziehen (4 x 0,25 m2 x Pflugtiefe) und diese visuell auf das Vorhandensein von Larven untersuchen.