Wintergetreide

Warndienst Ackerbau vom 27. Mai 2025


Risiko für Infektionen mit Ährenfusariosen
Weizen kann zur Blüte mit Fusariosen befallen werden. Gefährdet sind insbesondere anfällige Sorten nach der Vorfrucht Mais, wenn die Stoppeln im Herbst nicht ausreichend zerkleinert und eingearbeitet wurden.
Fusarien führen zu Ertragsverlusten und können das Erntegut mit Pilzgiften (Mykotoxinen) belasten, welche die Gesundheit von Mensch und Tier schädigen können. Werden die Grenzwerte bei den Pilzgiften überschritten, kann es passieren, dass die Ware nicht angenommen wird.

Im Süden Hessens ist der Weizen örtlich schon weitgehend abgeblüht, sodass auch bei starken Niederschlägen hier keine Infektionen mit Fusariosen mehr stattfinden können. In Beständen, in denen die Pflanzen gerade die Ähre schieben oder die Blüte auch noch nicht vollständig abgeschlossen ist, können geringe Niederschläge besonders unter folgenden Bedingungen eine Infektion auslösen:

  • Weizen steht pfluglos nach Mais oder auch nach Rüben. Ernterückstände der Vorkultur sind noch auf der Fläche zu finden. Niederschläge haben Erntereste durchfeuchtet und dort Sporenträger gebildet.
  • Temperaturen über 17°C.

Treffen o.g. Bedingungen zu, sollte einen Tag vor bis zwei Tage nach den Niederschlägen eine gezielte Fusariumbehandlung erfolgen.

Präparate: Z.B.; Prosaro 1,0, Verben 1,0 Magnello 1,0, Soleil 1,2, u.a.
Vielerorts wurde aufgrund der allgemein gesunden Bestände noch kein Carboxamid eingesetzt. In diesem Fall kann z.B. zu Blühbeginn noch breitwirksam mit Fusariumwirkung auch 1,0 l Elatus Era oder1,5 l Navura eingesetzt werden oder auch bis 2,0 l Univoq (Aufwandmengen jeweils je ha).

Um optimale Wirksamkeit zu erreichen, muss das Stadium der Blüte richtig getroffen werden.
Das folgende Video aus dem Jahr 2020 zeigt, wie der richtige Zeitpunkt bestimmt wird:

Video: Wann blüht der Weizen?

(Hinweis: Die Mittelempfehlungen im Video sind veraltet- es geht um die Erklärung des richtigen Zeitpunktes)
Ausführliche Infos zum Thema Fusariosen

Blattläuse
Nur bei starkem Befall mit Blattläusen ab Ährenschieben ist eine Bekämpfung sinnvoll, um Saugschäden zu verhindern. 
Zur Schonung der Nützlingspopulationen Insektizide nur nach Schadschwellenüberschreitung einsetzen. Allgemeine Hinweise zu tierischen Schaderregern in Getreide mit Schadschwellen.

Situation tierische Schädlinge
Vermehrt fallen in den Beständen jetzt Getreidehähnchen auf. Der Besatz ist allerdings nicht bekämpfungswürdig. Die Schwelle liegt bei einem Getreidehähnchen je 2 Fahnenblätter oder 10% zerstörte Blattfläche. Der Läusebesatz im Getreide ist ebenfalls aktuell nicht bekämpfungswürdig.

Zur Schonung der Nützlingspopulationen Insektizide nur nach Schadschwellenüberschreitung einsetzen.

Allgemeine Hinweise zu tierischen Schaderregern in Getreide mit Schadschwellen und Bildern

Aktuelle Hinweise zum Blattlausauftreten auch im telefonischen Ansagedienst:0641-303-5246


Hinweise zum Vorratsschutz und zur Feldhygiene

Vorratsschutz
Denken Sie rechtzeitig vor der Ernte an die Reinigung Ihrer Läger!

Vorratsschädlinge wie Kornkäfer, Motten oder Milben können in lagerndem Getreide erhebliche Schäden und Qualitätsverluste verursachen. 

Videos Schadinsekten (auch Vorratsschädlinge)

Daher müssen insbesondere die Ritzen, Ecken, Fugen der Läger mit dem Kehrbesen und Industriestaubsauger gründlich gereinigt werden. Bereits ein geringer Ausgangsbefall kann zu einer Totalverseuchung der neuen Ernte führen. Vorhandenes Altgetreide nicht mit der neuen Ernte vermischen sondern verfüttern oder auslagern. Eine zusätzliche chemische Behandlung der leeren Speicherräume schafft letzte Sicherheit vor Schädlingen: Bei der Behandlung der Lagerräume sind alle Flächen, Ritzen und Winkel sowie die benutzten Maschinen und Geräte gründlich zu benetzen.

Präparate
Bei Befall von Erntepartien mit Insekten können z.B. die Präparate Talisma EC oder K-Obiol EC25 u.a. zur Ein- oder Umlagerung direkt auf den Fördergutstrom ausgebracht werden.

Ausführliche Hinweise zum Vorratsschutz


Weidelgras und Ackerfuchsschwanz breiten sich aus!!
In einigen Regionen im Odenwald aber auch in nördlicheren Gebieten finden wir Felder, die wie in den Vorjahren starken Besatz mit Weidelgras aufweisen. Untersuchungen haben ergeben, dass dieses Weidelgras Resistenzen gegenüber den ehemaligen Wirkstoffklassen 1 und 2 aufweist. D.h. mit den gängigen Frühjahrsherbiziden, z.B. Atlantis Flex, Husar, Axial, Traxos usw. lassen sich diese Pflanzen nicht mehr bekämpfen. Dieses zeigen auch die Feldversuche der letzten Jahre.
Weidelgras wird durch Mähdrescher in Felder verschleppt und breitet sich dort schnell aus. Zur Ernte muss darauf geachtet werden, dass Mähdrescher, die in "verseuchten" Schlägen eingesetzt wurden, nicht in Felder einfahren, die noch keinen Weidelgrasbesatz aufweisen. Vorher ist eine extrem gründliche Reinigung des Mähdreschers erforderlich, um diese hartnäckigen Ungräser nicht weiter zu verbreiten.
Auch die Verwendung von nicht gründlich gereinigtem Weizennachbausaatgut, welches aus verseuchten Flächen stammt, trägt zur Ausbreitung bei.

Ackerfuchsschwanz
Sofern Ackerfuchsschwanz in Nestern oder gar Teilflächen auftritt sollten Maßnahmen ergriffen werden, um die Verbreitung der Samen auf der Fläche zu reduzieren (Stichwort Feldhygiene), insbesondere in früh abreifenden Beständen, wenn die Samen vor der Ernte noch nicht ausgefallen sind und durch den Mähdrescher verbreitet werden können. Bei einzelnen begrenzte Gräserznestern in den Getreidefeldern sollten diese Nester herausgemulcht werden. Diese Maßnahme verhindert eine Verbreitung der Samen durch den Mähdrescher auf dem Feld.
Denkbar wäre auch eine Umnutzung als GPS, d.h. verungraste Teilbereiche sollten vor der Sammenreife auf einen Wagen gehäckselt und ggf. in eine Biogasanlage gebracht werden, wenn dieses möglich ist.

Sofern geplant ist, große Bereiche zu mulchen oder abzuhäckseln, sollte dieses vorher beim jeweils zuständigen Amt für Landwirtschaft angemeldet und entsprechend begründet werden (Feldhygiene als integrierte Maßnahme zur Verhinderung der Ausbreitung von Ungräsern).

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