25.02.2019 | Kategorie: Musterwarndienst, Wintergetreide

Warndienst Ackerbau vom 25. Februar 2019

Planung der Unkrautregulierung in Wintergetreide

Das Frühjahr präsentiert sich seit einiger Zeit recht mild und die Bestände sind ergrünt. Auch die Verunkrautung nimmt schon an Fahrt auf. In diesem Jahr wird es allgemein wichtig sein, frühzeitig mit der Unkraut- und vor allem der Ungrasbekämpfung zu beginnen. Besonders auf Flächen, wo Bodenherbizide auf Grund der Trockenheit im Herbst wenig Wirkung gezeigt haben, müssen effektive Lösungen gefunden werden. Der Frostschutz im Getreide baut sich jetzt ab. Wenn allerdings nach einer frühen Herbizidbehandlung noch einmal starke Fröste auftreten, wie es im März keine Seltenheit ist, könnten Kulturschäden durch Frost stärker zu Buche schlagen, da jede Herbizidbehandlung auch eine vorübergehende Schwächung der Kulturpflanze bedeutet. Andererseits werden besonders die einjährigen Samenunkräuter und -ungräser allgemein im frühen Stadium am Wirkungsvollsten bekämpft. Wichtig ist, bei den Herbizidbehandlungen ein besonderes Gewicht auf die Bekämpfung der Ungräser zu legen. Hier gilt es abzuwägen, wann in Abhängigkeit der Situation auf den Feldern und auch nach den Ansprüchen der Herbizide an die äußeren Bedingungen behandelt werden muss. Kontaktieren Sie bei Fragen oder Unsicherheiten den für Ihre Region zuständigen Pflanzenbauberater des LLH.

In den kommenden Tagen sollen die Temperaturen in der Nacht laut Vorhersage nicht unter 0 °C sinken, sodass  Herbizidmaßnahmen mit Ziel der frühen Ackerfuchsschwanzbekämpfung jetzt durchgeführt werden können. Die Unkrautregulierung sollte  in Abhängigkeit der jeweiligen Situation auf dem Feld geplant werden.

Frühe Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz und Windhalm in Weizen
Ist der Ackerfuchsschwanz noch nicht in der Schossphase, sollten frühzeitig Präparate aus der Wirkstoffklasse B wie z.B: Atlantis Flex, Attribut u.a. zum Einsatz kommen, sofern die Wirkstoffklasse im Herbst noch nicht eingesetzt wurde (Resistenzmanagement beachten- Wirstoffklassenwechsel durchführen!).

Falls  Ackerfuchsschwanz schon weit entwickelt ist (im Süden Hessens oft zu beobachten), sollten die reinen blattaktiven Mittel wie z.B. Traxos u.a. bevorzugt werden, sofern noch keine Resistenzen gegen Afu auf dem Feld vorhanden sind und die  Wirkstoffklasse (WK) A noch wirkt. Weit entwickelter Ackerfuchsschwanz kann durch Mittel der Wirkstoffklasse B  nur noch schwer gestoppt werden. 

Windhalm  wird in normalen Jahren durch Bodenherbizide im Herbst gut bekämpft. Im Frühjahr wird er in den meisten hessischen Regionen mit Mitteln aus der Wirkstoffklasse A (z.B. Axial 50)  gut bekämpft. Der Einsatz von Axial 50 sollte mangels Alternativen jedoch der Gerste vorbehalten sein- in Weizen und anderen Kulturen als Feuerwehrmaßnahme zu sehen. Eine umfangreiche Untersuchung hat ergeben, dass Resistenzen von Windhalm gegenüber der Wirkstoffklasse B (Atlantis, Broadway, Husar, u.a.) landesweit auftreten.

Hinweise zur Mischbarkeit
Traxos,
Axial 50, Atlantis Flex aus Gründen der Verträglichkeit nicht mischen mit Bifenox-haltigen Präparaten (Fox)  sowie carfentrazonhaltigen Präparaten wie Artus, Oratio, Platform S u.a.

Bei der Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz keine Mischung von Axial 50 (Empfehlung in Gerste) mit Pointer SX/Trimmer SX, Pointer Plus, Dirigent SX und sonstigen Wuchsstoffen und wuchsstoffhaltigen Mitteln über 900g Wirkstoff, da Minderwirkungen gegen Afu möglich. Dann besser Axial 50 vorlegen und die genannten Mittel gegen Dikotyle fünf Tage später spritzen.                   

 

Hilfestellungen bei der Planung der Herbzidmaßnahmen

Nutzen Sie zur Auswahl des richtigen Präparates den Pflanzenschutzassistenten mit  Herbizidfinder!
Der Herbizidfinder erleichtert die Suche nach einem geeigneten Herbizid oder einer Herbizidkombination in Abhängigkeit der Kulturtart und der Leitverunkrautung. Über die Funktion "Erweitert"  werden Abstandsauflagen, Drainauflagen und mehr berücksichtigt.

Wie resistenzgefährdet ist ihr Standort?
Durch Klick auf obigen Link erscheint ein Programm, mit dem das individuelle Resistenzrisiko abgeschätzt werden kann.

 Neue Getreideherbizide 

Hinter den folgenden Links finden sich  Beispiele für Herbizidbehandlungen in den Getreidekulturen. Die Empfehlungen in Weizen richten sich vorwiegend gegen Gräser, aber mit Blick auf die zweikeimblättrigen Unkräuter


Herbizidempfehlungen Winterweizen: Bekämpfung Ackerfuchsschwanz, Bekämpfung Windhalm, Bekämpfung Trespen

Herbizidempfehlungen Wintergerste

Herbizidempfehlungen Winterroggen

Herbizidempfehlungen Triticale

Achten Sie in der Fruchtfolge, auch zwischen Herbst- und Frühjahrsbehandlungen, zur Vermeidung von Resistenzen auf einen konsequenten Wechsel der Wirkstoffklassen. 
Setzen Sie Herbizide immer nur unter Bedingungen ein, die eine gute Wirkung gewährleisten, denn jedes Herbizid hat seine eigenen Ansprüche an die Umweltbedingungen.

Die Auflagen und Anwendungbestimmungen der Präparate sind in den jeweiligen Produktbeschreibungen hinterlegt!


Hinweis zur Dokumentationspflicht (auch für Lohnunternehmer!)

Die Aufzeichnungen über Pflanzenschutzmaßnahmen sind in elektronischer oder schriftlicher Form vorzunehmen und müssen drei Jahre aufbewahrt werden. Die Aufzeichnung muss mindestens folgende Punkte umfassen:

- Name des Anwenders
- die jeweilige Anwendungsfläche
- das Anwendungsdatum
- das verwendete Pflanzenschutzmittel (bei Tankmischungen Angabe aller enthaltenen Mittel)
- die Aufwandmenge/Aufwandmengen
- die Kulturpflanze
- das Anwendungsgebiet (= Schaderreger/Schadorganismus, jetzt nicht mehr vorgegeben aber empfohlen)

Bei der Aufzeichnung sind die „Grundsätze für die Durchführung der guten fachlichen Praxis im Pflanzenschutz“ zu berücksichtigen.
Die Aufzeichnungen sollten zeitnah, im Regelfall spätestens vier Wochen nach der Anwendung, geführt werden und müssen spätestens bis zum 31.12. des Jahres vollständig vorliegen. Zum Zeitpunkt der Kontrolle müssen die Aufzeichnungen des Vorjahres vorliegen; ansonsten liegt ein Verstoß gegen die Cross-Compliance – Bestimmungen vor.
Das heißt: 2019 werden die Aufzeichnungen des Jahres 2018 kontrolliert!

Auch Lohnunternehmer müssen alle Pflanzenschutzmaßnahmen, die sie für ihre Kunden durchführen, dokumentieren. Diese Dokumentationspflicht ist bußgeldbewehrt.
Landwirte sollten daher schon im Vorfeld vertraglich regeln, welche Maßnahmen durchzuführen sind, um Missverständnissen vorzubeugen.
Der Landwirt muss die Aufzeichnungen des Lohnunternehmers mit seinen Aufzeichnungen zusammenführen, damit bei möglichen Kontrollen im Rahmen von Cross-Compliance alle notwendigen Dokumente vorliegen.

 

Ackerfuchsschwanz in Gerste

Windhalm in Gerste

Trespe am Feldrand