Wachstumsregler - Fungizide vor Blüte

verzögerter Blühbeginn nach Wachstumsregler im Frühjahr

Stand: 26.03.2018

Hauptziel:  

          Vermeidung von Lager

  • Standfestigkeit lageranfälliger Sorten verbessern. Jedoch sind einige neue längere Sorten grundsätzlich relativ standfest.
  • Verzweigung dünner Bestände ( < 40 Pflanzen/m² ) erhöhen. Effekt aber selten erkennbar.
  • Lagergefahr dichter Bestände ( > 60 Pflanzen/m² ) wegen dünner Stängel reduzieren. Bei frühem Vegetationsbeginn gerade nach sehr mildem Winter ist Raps lagergefährdet.
  • durch Nebentriebförderung gleichmäßigere Entwicklung von Haupt - und Nebentrieben, was zu einem einheitlicheren Abreifezeitraum führt. Dadurch ist der Erntetermin optimaler bestimmbar.
  • bei hoher organischer Düngung und N-Nachlieferung Lagerrisiko.
  • bei optimaler Wasserversorgung.

Nebeneffekt:

  • Phomabekämpfung. Bei milden Wintern überdauert Phoma an den Blätter und kann sich besonders bei feuchter Frühjahrswitterung weiterentwickeln. Dann kann ein früher Fungizideinsatz bei Vegetationsbeginn sinnvoll sein. In harten Wintern hingegen sterben Phoma-befallene Blätter hingegen ab. Neuinfektionen im Frühjahr dann meist nicht mehr ertragswirksam. Ein trockenes Frühjahr bietet Phoma dann kaum Entwicklungschancen.
    Bei erwartetem Phomabefall können gewisse Sortenunterschiede genutzt werden und 
    weniger anfällige Sorten angebaut werden. Wirkung auf den Grauschimmelpilz Botrytis nach Frosteinwirkung ist kaum erzielbar.

 Optimaler Termin für Anwendung:

  • Wenn Stängel bei 50 % der Pflanzen ca. 20 cm (Gesamtpflanze ca. 30 cm lang) lang sind. Nur bei sehr früh einsetzendem Wachstum nach mildem Winter und bei großen Pflanzen kann auch die erste Behandlung bereits bei 15 cm Stängellänge erfolgen. Wüchsige Witterung mit über 15°C, sonniges Wetter und frostfreie  Nächte sind für gute Wirkung ideal.

Die Maßnahme zur Wuchsregulierung ist nicht immer wirtschaftlich.
Das Lagerrisiko wird entscheidend beeinflusst durch erwartete N-Nachlieferung und die Wasserversorgung.
Entwicklungsstadium und Bestandesdichte in Verbindung mit erwarteter Witterung der folgenden Tage. Theoretisch erhöht sich das Lagerrisiko, wenn die Vegetation sehr früh beginnt, weil dann eine lange Wachstumsphase zu längeren Pflanzen führen kann.
Carax hat den stärksten Einkürzungseffekt, Toprex staucht weniger, dann folgen die anderen Mittel.
Toprex oder Tilmor sind bei starkem Phomadruck zu bevorzugen.
Phomabefall aus dem Herbst lässt sich mit Fungiziden im Frühjahr aber nicht ausreichend bekämpfen.
Zur Stängelrüsslerbehandlung ist es meist noch zu früh für den gezielten Wachstumsreglereinsatz.
Eine Mischung mit Bor zu dem Wachstumsreglertermin, auch in Verbindung mit Insektiziden z.B. gegen Rapsglanzkäfer, ist möglich.
Bei dünnen Bestände mit weniger als 25 Pflanzen/m² und gegebenenfalls Trockenheit im Frühjahr sollten selbst lagerempfindliche oder lange Sorten mit reduzierten
Mengen behandelt werden (ev. kann man ganz auf eine Maßnahme verzichten), da die natürliche Standfestigkeit und Verzweigung stärker gefördert wird.
Zweifachbehandlungen mit dann reduzierten Aufwandmengen sind nur nach mildem Winter und feuchtem Frühjahr sinnvoll.
Vor wüchsigen Perioden ist der Einsatz deutlich wirkungsvoller als bei beginnendem Wetterumschwung hin zu kühler, trockener Witterung.

Sortenabhängige Mittelempfehlungen zur Wuchsregulierung im Frühjahr

Erste Behandlung ab Durchgrünen der Bestände. Die Phomaanfälligkeit ist dabei für die Entscheidung bzgl. der Aufwandmenge wegen der geringen Bedeutung zu diesem Termin in Hessen zweitrangig. Bei Gülleflächen mit hoher N-Versorgung wird das standortspezifische Lagerrisiko erhöht. Einige Sorten weisen trotz langem Wuchs eine gute Standfestigleit auf. (LLH Sortenbeschreibung)

Sorten >

Adriana, Arazzo, Arsenal, Comfort, DK Eximus, DK Exstorm,
Frodo KWS, Hybrirock, Mendelson, Mercedes, PR 46 W 15, PR 46 W 26, PT 206, Raffiness, Sherlock

SY Alister, Amstrong, Andromeda, Avatar, Arabella, Armstrong, Bender, DK Exquisite, DK Explizit, Fencer, Flyer, Hattrick, Marquis, Menhir, Mentor, Mercedes, Nimbus, Penn, PR 46 W 20, PT 225, PX 115, Raptor, SY Saveo, Sherpa, Visby

RGT Attletick, DK Exeption, Genie, Marathon, Medea,
Patron, PR 45 D 06, PX 104, PX 113
,  PX 115, SY Vesuvio

sortenspezifisches
Lagerrisiko
hoch mittel niedrig
standortspezifisches
Lagerrisiko (Bestandesdichte, Witterung, Wasserversorgung, N-Mineralisierung...)
hoch
gering
hoch
gering
hoch

gering

Empfehlung
in l/ha
oder
kg/ha

1,0
Carax

oder

0,5 Carax + 0,6 Tilmor

oder

Moddus + Folicur
0,4 + 0,8

bei Bedarf
Nachlage von

0,4 Folicur, Orius, Matador oder
0,5 Tilmor

0,75
Carax

oder

0,5 Toprex

0,7 - 0,9
Carax

oder

0,5 Toprex

0,9 Caramba;
0,9 Folicur;
1,1 Ampera;
0,9 Orius;
0,8 Matador;
0,5 Carax;
0,4 Toprex;
1,0 Tilmor;
0,9 Efilor

0,6   Caramba;
0,6   Folicur;
0,7   Orius;
0,9   Ampera;
0,6   Matador;
0,4   Carax;
0,35 Toprex;
0,8   Tilmor;
0,6 Efilor

keine
Behandlung
notwendig

maximal

0,5 Folicur;
0,5 Orius;
0,5 Matador;


Wirkung von Rapsfungiziden bzw. Wachstumsreglern auf Standfestigkeit und Phoma 

Fungizid

Wirkstoff(e) Konzen-
tration
in g/kg/l
Aufwandmenge
l oder kg pro ha
bis maximal
Phoma Standfestigkeit
Carax Mepiquatchlorid
+Metconazol
210
+30
0,5 - 1,4 xx xxx
Toprex Difenoconazol
+Paclobutrazol
250
+125
0,35 - 0,5 xx(x) xx(x)
Tilmor Prothioconazol
+Tebuconazol
80
+160
0,8 - 1,2 xxx xx
Folicur Tebuconazol 250 0,8 - 1,5 xx(x) xx
Ampera Prochloraz
+Tebuconazol
267
+133
1,5 xx(x) x(x)
Orius Tebuconazol 200 0,75 - 1,5 xx(x) xx
Caramba Metconazol 60 0,75 - 1,5 xx xx
Matador Tebuconazol
+Triadimenol
225
+75
0,6 - 1,0 xx(x) xx
Cantus Gold Boscalid
+Dimoxystrobin
200
+200
0,3 - 0,5 xxx -
Efilor Metconazol
+ Boscalid
60
+ 133
0,8- 1,0 xx(x) x
Proline Prothioconazol 250 0,7 xxx -
Moddus Trinexapac-Ethylester 250 1,5 - xx(x)
Score Difenoconazol 250 0,5 xx(x) -

 -   =    ohne Indikation (bzw. keine Wirkung)
xx  =    gut
xxx  =  sehr gut

Blütenbehandlung in Winterraps 

zurück zur Übersicht Winterraps Frühjahr

Die Symptome des Wasserrübenvergilbungsvirus (TuYV) sind mit anderen Ursachen wie Nährstoffmangel oder Frosteinwirkung zu verwechseln. Im Herbst können Einzelpflanzen auffällig verfärbte Ränder haben, im Frühjahr verwachsen sich die Symptome wieder. Die Virusübertrtagung findet durch Läuse statt.