Blütenbehandlung

Entwicklungsstadium zur Blütenbehandlung mit Fungiziden
erste Blütenblätter sind abgefallen und bleiben in den Blattachseln hängen
Dauerfruchtkörper der Weißstängeligkeit im Stängel vor der Ernte
Kohlschotenrüssler und Rapsglanzkäfer beim Fraß an Knospen
Apothecie von Sclerotinia sclerotiorum, Weißstängeligkeit

Stand: 26.04.2018
Bei einem Anteil von Raps in der Fruchtfolge von > 25 % , Wirtspflanzen wie Sonnenblumen, Erbsen, Kartoffeln in der Fruchtfolge und langjährigem Rapsanbau ist Risiko des Sclerotiniasbefalls (Weißstängeligkeit) gegeben. Die Witterung ist aber letztlich der entscheidende Faktor bei der Infektion zur Blütezeit des Rapses. Sortenunterschiede bestehen bzgl. Sclerotinia bisher kaum. Jedoch zeichnet sich tendenziell eine etwas höhere Anfälligkeit besonders kurzer Sorten oder Bestände ab. Dies resultiert aus dem geringem Abstand der Fruchtkörper (Apothecien, die nur schwer im Bestand zu finden sind) aus den im Boden überdauernden Sclerotien zu Blattachseln, wo die meisten Infektionen stattfinden.
Wegen der geringen Kurativleistung der Fungizide gegen Sclerotinia sind Behandlungen möglichst zeitnah zur Infektion zu legen (derzeit noch nicht ausreichend sicher bestimmbar, Prognosemodell www.isip.de kann genutzt werden). Dann sind 2 Wochen Dauerwirkung gegen den Pilz zu erreichen. Behandlung zur Vollblüte (BBCH 65)  pauschal meist ausreichend wirksam.
Vor der Behandlung ist die Spritze sorgfältig von Sulfonylharnstoffresten der eventuellen Vorbehandlung zu reinigen. Nach Herbizideinsatz sofort mit Wasser spülen, damit Herbizidreste nicht antrocknen können, dann mit alkalischem Spritzenreiniger ein zweites mal nach Gebrauchsanleitung reinigen und mit klarem Wasser nachspülen. Erst dann Behandlung in Raps durchführen.

Dropleg-Düsen sind eine Alternative zu herkömmlichen Spritzungen über den Blütenbestand. Vorteil ist die geringere belastung der Bienen mit Fungizidwirkstoff.
Bei Tankmischungen von Fungiziden und Insektiziden ist auf die sich teils ändernde Bienengefährlichkeit zu achten.  

Informationsplattform zum Bienenschutz für Landwirte und Imker

 Auswahl von zuzgelassenen Fungiziden zur Blütenbehandlung in Winterraps

Mittel Wirkstoff(e) Fungizidgruppe Konzentration
in g pro kg/l
zugelassene
Aufwandmenge
Bemerkungen
Cantus Gold Boscalid
+ Dimoxystrobin
Carboxamid
+ Strobilurin
200
+ 200
0,5 sehr gute Dauerwirkung, auch positive pflanzenphysiologische Effekte
Proline Prothioconazol Triazol 250 0,7 Azol mit sehr guter  Dauerwirkung; in Tankmischung
mit vielen Insektiziden günstige Bienenschutzauflage.
Nachteil: Nur im Vegas-Proline Pack erhältlich.
Propulse Fluopyram
+ Prothioconazol
Carboxamid
+ Triazol
125
+ 125
1,0 sehr gute Dauerwirkung, auch positive pflanzenphysiologische Effekte. Im Propulse Blüten Pack mit Biscaya.
Custodia Azoxystrobin
+ Tebuconazol
Strobilurin
+ Triazol
120
+ 200
1,0 Fertige Strobilurin-Azolmischung.
Acanto Picoxystrobin Strobilurin 250 1,0 Aufbrauchfrist bis 30.11.2018. Vorzugsweisein Mischung mit Azolfungiziden, dann beide mit halbierten Aufwandmengen
Ortiva,
Torero
Azoxystrobin Strobilurin 250 1,0 In Mischung mit Azolfungiziden, dann beide mit halbierten Aufwandmengen
Efilor Metconazol
+ Boscalid
Triazol
+ Carboxamid
60
+ 133
1,0
Folicur Tebuconazol Triazol 250 1,5

Zumischpartner zu z.B. Ortiva,
dann je mit halbierter Aufwandmenge

Orius Tebuconazol Triazol 200 1,5
Mirage 45 EC Prochloraz Imidazol 450 1,5
Matador* Triadimenol
+ Tebuconazol
Triazol 75
+ 225
1,5
Symetra* Isopyrazam
+ Azoxystrobin
Carboxamid
+ Strobilurin
125
+ 200
1,0 Im Jahr 2016 (Starkbefall) in Hessen nicht immer überzeugende Wirkung.
Cercobin FL Thiophanat-Methyl Benzimidazol 250 1,0 mit halber Aufwandmenge von 0,5 l/ha anderen Fungiziden, deren Aufwandmenge ebenfalls  um 50 % reduziert werden kann.
Tankmischungen Strobilurin + Azol
Ortiva
+ Folicur /Orius
Azoxystrobin
+ Tebuconazol
Strobilurin
+ Triazol
250
+ 250 / 200
0,5 + 0,75 Tankmischung von Strobilurin und Azol

* Wegen der Einstufung als T-Mittel (giftig) muss der Landwirt die in der Gebrauchsanleitung vorgeschriebene Maßnahmen zum Anwenderschutz  treffen.

Entwicklungsstadium zur Blütenbehandlung mit Fungiziden
erste Blütenblätter sind abgefallen und bleiben in den Blattachseln hängen
Dauerfruchtkörper der Weißstängeligkeit im Stängel vor der Ernte
Kohlschotenrüssler und Rapsglanzkäfer beim Fraß an Knospen

Fungizide zur Blütenbehandlung in Winterraps und bienenungefährliche Tankmischungen mit Insektiziden

Allgemein:

Empfehlenswert ist eine Wasseraufwandmenge von mindestens 300 l/ha bei 5 km/h Fahrgeschwindigkeit,
damit die Spritzbrühe auch bis zu den Blattachseln kommt. Bei den tebuconazol- und metconazolhaltigen Mitteln besteht bei
hohen Aufwandmengen die Gefahr der Schoteneinkürzung. Für Tankmischungen mit Insektiziden: Bei einer Behandlung nach ca. 19:00 Uhr sind meist kaum noch Bienen
im blühenden Bestand. (Die Rapsstängel sind  abends auch elastischer und es gibt weniger Beschädigungen aufgrund der Durchfahrt.) Somit kommen die Bienen mit weniger Wirkstoff in Kontakt. Damit entspricht die Anwendung der Auflage NN 410, die eine Behandlung in den Abendstunden eben zum Schutz von Wildbienen empfiehlt:

Tankmischungen mit AHL oder Blattdüngern können die Bienengefährlichkeit beeinflussen und sollten unterbleiben.