Vorerntebehandlung

Stand: 10.10.2017

Aktuelle Infos zu Glyphosat

und

Institut für Risikobewertung  ( s. rechte Spalte )

Glyphosat ist der weltweit am meisten eingesetzte Wirkstoff. Da zudem die bei der Vorernteanwendung eingesetzte Wirkstoffmenge pro Hektar hoch ist, werden auch bei ordnungsgemäßem Einsatz entsprechend der Zulassung Rückstände in Ernteprodukten gefunden. Diese befinden sich zwar im Bereich der zulässigen Rückstandshöchstmengen, geben aber Anlass zu Diskussionen in der Öffentlichkeit. Daher sollte mit dem Wirkstoffeinsatz so kurz vor der Ernte besonders verantwortungsvoll umgegangen werden, um unnötige, wenn auch erlaubte Rückstände im Ernteprodukt zu minimieren. Die Erforderlichkeit der Anwendung "Sikkation" wird überprüft. Das Ergebnis ist dann auf alle zur Sikkation zugelassenen Pflanzenschutzmittel anzuwenden.

In der EU wird der Wirkstoff derzeit einer turnusgemäßen Neuprüfung unterzogen. Anschließend wird von dem Umweltbundesamt (UBA)dem Bundesinstitut für Risikoberwertung (BfR) und dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) über Anschlusszulassungen entschieden. Allgemein interessante Infos zur Sicherheit bzgl. Pflanzenschutzmitteln können auch auf der Seite der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit ( EFSA )  entnommen werden.

DLG Merkblatt Glyphosat

Zur Verwendung von Glyphosat in der Landwirtschaft:

Eine Anwendung von Glyphosat zur Arbeitserleichterung (Druschoptimierung) entspricht nicht der guten fachlichen Praxis und ist ab dem 21.05.2014 untersagt.  (Auszug, Text der 4. Verordnung zur Änderung der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung vom 08.11.2013 des Bundesrates).

Für alle Glyphosat-Mittel: Bei der Anwendung des Mittels ist ein Abstand von 40 Tagen zwischen Spritzungen einzuhalten, wenn der Gesamtaufwand von zwei aufeinanderfolgenden Spritzanwendungen mit diesem und anderen Glyphosat-haltigen Pflanzenschutzmitteln die Summe von 2,9 kg Glyphosat/ha überschreitet. (NG 352)

Einschränkung von Spätanwendungen vor Ernte:
a) Einsatz auf Teilflächen ist erlaubt aufgrund von Unkrautdurchwuchs in lagernden Beständen beziehungsweise Zwiewuchs in lagernden oder stehenden Beständen, wo sonst eine Beerntung nicht möglich wäre. 
b) Einsatz zur Sikkation (Ernteerleichterung) ist erlaubt, wo Getreide ungleichmäßig abreift und Beerntung ohne Behandlung nicht möglich ist.
Nicht erlaubt zur Steuerung des Erntetermins oder Optimierung des Drusches !

 

Mit dem Einsatz glyphosathaltiger Herbizide 7 - 14 Tage vor Ernte zur Vollreife des Getreides in BBCH 89 (Fingernagelabdruck bleibt auf dem Korn erhalten, Kornfeuchte unter 25 %) kann noch grüner Unkrautbesatz bekämpft werden.
Wasseraufwandmengen bis max. 200 l/ha sind optimal.
Da je nach Witterung im Anschluss an die Behandlung nach 7 Tagen nicht immer eine ausreichende Wirkung erzielt wird, sind auch die Präparate mit 7 Tagen Wartezeit möglichst schon ca. 10 Tage vor dem erwarteten Erntetermin einzusetzen.
Zum Zweck der schnelleren Wirkung kann 10 kg/ha Schwefelsaures Ammoniak zugesetzt werden. Bei neueren Formulierungen, wie z.B. Glyfos Supreme ist dies nicht notwendig.

Auf die Einhaltung des Einsatzzeitpunktes ab BBCH 89 = Vollreife und vor allem auch die Einhaltung der Wartezeit (je nach Produkt 7 – 14 Tage) ist unter allen Umständen zu achten um Rückstandshöchstgehalte nicht zu überschreiten.

Das Risiko für den Anwender besteht darin, dass mit dem Applikationstermin vorab bestimmt wird, wann der Bestand erntereif ist. Witterungsbedingte Verzögerungen der Beerntung können gerade bei Gerste und Roggen zu beachtlichen Ernteverlusten wegen abknickender Ähren und Brüchigkeit des Strohes führen.
Kein Einsatz darf erfolgen in Getreide zur Saatguterzeugung und in Getreide für Brauzwecke.
Behandeltes Stroh darf nicht für Kultursubstrate verwendet werden. VV 835
Wenn tallowaminhaltige Glyphosate verwendet werden, gilt Auflage VV 214:
1  =  Stroh darf nicht zum Zwecke der Tierhaltung und Tierfütterung verwendet werden.

Übersicht, Auswahl glyphosathaltiger Mittel in Sommer- und Wintergetreide 

Mittel Tallowamin-
frei

Konzentration in
in g/l
maximale
Aufwand-
menge in
l oder kg/ha
Hinweise Wartezeit
in Tagen von
Anwendung
bis Ernte
Auflagen*
Dominator 480 TF ja 480 3,75 ab Vollreife, BBCH 89,
Kornfeuchte unter 25 %
7 NT 101
Roundup Powerflex ja 480 3,75 7 NT 103
Glyfos Dakar,
Roundup Turboplus
ja
ja
680 2,65 7 NT 102,
NT 102
Roundup Rekord ja 720 2,5 7 NT 103
Glyfos Supreme,
Helosate 450 TF
Plantaclean 450 Premium
ja
ja
ja
450 4,0 7 NT 102,
NT 102
NT 101
Roundup Ultra,
Roundup Solid,
Taifun forte,
Plantaclean Label XL
ja
ja
ja
ja
360 5,0 7 NT 101,
NT 101,
NT 102,
NT 101

Touchdown Quattro, Glyfos TF Classic,

ja

360 5,0 14 NT 101,
NT 101

* Einzuhaltende Abstände zu Saumstrukturen betreffen die ersten 20 m:
Genannte Auflagen sind gültig für  Gebiete, die nicht im "Verzeichnis regionalisierter Kleinstrukturanteile" aufgeführt sind und damit keinen ausreichenden Anteil an Kleinstrukturen aufweisen oder wenn angrenzende Flächen wie Feldraine, Hecken, Gehölzinseln (Saumstrukturen) mehr als 3 Meter breit sind.

NT 101: Verlustmindernde Geräte (Düsen) mit mindestens Abdriftminderungsklasse 50 % oder besser verwenden:  Dann 0 Meter Abstand zu Saumstrukturen
NT 102: Verlustmindernde Geräte (Düsen) mit mindestens Abdriftminderungsklasse 75 % oder besser verwenden:  Dann 0 Meter Abstand zu Saumstrukturen
NT 103: Verlustmindernde Geräte (Düsen) mit mindestens Abdriftminderungsklasse 90 % oder besser verwenden:  Dann 0 Meter Abstand zu saumstrukturen

Ab 20 m Abstand kann auch ohne verlustmindernde Technik appliziert werden.