Wirkungsspektrum von Herbizid-Tankmischungen im Herbst

Stand: 08.08.2017
Ackerfuchsschwanz und Windhalm sind die wichtigsten Ungräser im Getreidebau. Zur Resistenzvorbeuge müssen die Wirkstoffklassen innerhalb der Fruchtfolge strategisch sinnvoll eingesetzt werden, um deren Wirkung möglichst lange zu erhalten.

Ackerbauliche Maßnahmen zu nutzen: Sommerungen wie Sommergetreide oder Leguminosen in der Fruchtfolge, Zwischenfrüchte im Rahmen der ÖVP-Maßnahmen, spätere Aussaattermine im Herbst, mechanische Unkrautbekämpfung vor der Aussaat, Drainage u.a.. Sie führen schon kurzfristig zu verringertem Ungrasdruck. Der Wechsel der Wirkstoffklassen (HRAC) in der Fruchtfolge verzögert Resistenzen. Es sinnvoll, die resistenzgefährdeten HRAC Klassen A und B jeweils nur 1 x in der Fruchtfolge zu verwenden. Im Herbst ist die Kombination mit einem Bodenherbizid einer weiteren HRAC-Klasse möglich. Günstige Anwendungsbedingungen für Blatt- und Bodenherbizid sollten dabei gewährleistet sein, damit nicht eine Herbizidklasse die Hauptlast der Bekämpfung leisten muss. Sonst Spritzfolge bevorzugen.

Bei normalen oder frühen Saatzeiten nach Raps oder Getreide steht der Herbizideinsatz im Herbst im Vordergrund. Es bestehen deutliche Vorteile gegenüber reinen Frühjahrsbehandlungen bezüglich Ertragsbeeinflussung und Wirksamkeit. Bei Spätsaaten ist die Frühjahrsbehandlung zu bevorzugen, da Ungräser spät im Jahr nicht vollständig auflaufen.

Bei mehr als 800 erwarteten Ackerfuchsschwanzpflanzen/m²: Im Herbst im Vorauflauf bis Spitzen zunächst reine Bodenherbizide wie z.B. Malibu, Herold oder Cadou. Auch eine Kombination mit Boxer oder CTU  ist möglich. Ziel: Verringerung des Ungrasdrucks. Im Frühjahr Folgebehandlung mit Atlantis oder Broadway der HRAC Klasse B gegen den Restbesatz. Im Stoppelweizen wird dann die Klasse A mit Traxos, Axial, Sword verwendet.

Bei geringerem Ungrasdruck: In Winterweizen Kombination  von Blatt- und Bodenherbizid wie z.B. Lexus + Malibu oder Lexus + Picona. Sollte wider Erwarten doch eine  Nachbehandlung nötig sein, ist diese im Frühjahr mit z.B. Traxos (HRAC A) möglich.

In Gerste sind Atlantis, Lexus und Broadway nicht einsetzbar. Auf Trespenstandorten ist der Anbau von Gerste nicht empfehlenswert, da einsetzbare Mittel nach hessischen Versuchsergebnissen keine sichere Wirkung haben.

Zeichenerklärung:
+     =  zugelassen in dieser Kultur
-     =  keine Wirkung
x     =  Wirkung nicht ausreichend, Tankmischpartner erforderlich
xx   =  Wirkung nur unter günstigen Bedingungen und bei niedrigem Besatz ausreichend
xxx  =   gute Wirkung

Für pendimethalin- und prosulfocarb-haltige Mittel gelten folgende Anwendungsbestimmungen des BVL:
Mindestens mit 300 l Wasser/ha, 90 % Düsen verwenden, max. 7,5 km/h, nicht bei über 3 m/s Wind = 10,8 km/Stunde

Grund:verflüchtigung und Abdrift herabsetzen.