Krankheitsbekämpfung in Mais

Stand: 11.01.2017
Bei anfälligen Maissorten, die pfluglos in Folge angebaut werden, kann es  unter feucht-warmen Witterungsbedingungen in der Hauptwachstumsphase zu verschiedenen Blattfleckenkrankheiten kommen.

Folgende Krankheiten wurden unter den oben beschriebenen Bedingungen in den letzten Jahren (vorwiegend in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg) beobachtet:

  • Cochliobolus carbonum – Blattflecken
  • Setosphaeria turcica / Exserohilum turcicum (ehemals Helminthosporium turcium) - Blattflecken
  • Kabatiella zeae- Augenflecken auf den Blättern 
  • Puccinia sorghi- Maisrost

Weiterführende Informationen zu den  Blattfleckenkrankheiten

Mit folgenden ackerbaulichen Maßnahmen lassen sich Krankheiten auf unschädlichem Niveau halten:

  • Fruchtfolge durchführen- kein Mais nach Mais anbauen
  • gesunde Sorten anbauen
  • Maisstoppeln mulchen und einarbeiten bzw. saubere Pflugfurche durchführen

Möglichkeiten der chemischen Bekämpfung

Die Blattfleckenkrankheit Setosphaeria turcica / Exserohilum turcicum kann bei Starkbefall bis zu  30% Ertragsausfall nach sich ziehen. Betroffen ist dann in erster Linie der Körnermais.

Präparate zur Krankheitsbekämpfung in Mais

Präparate Wirkstoffe Aufwandmenge Einsatzzeitpunkt Bermerkungen
Retengo Plus Pyraclostrobin (133 g/l)
Epoxiconazol (50 g/l)
1,5 l/ha in 200-400 l Wasser BBCH 30-39 oder
BBCH 51-65
bzw. Warndiensthinweise beachten.
Anwendung nur in hochanfälligen Sorten
in Verbindung mit dem Befall fördernden Standorten
und Witterungsbedingungen
Quilt Xcel Azoxystrobin (141,4 g/l)
Propiconazol (122,4 g/l)
1 l/ha in 200-600 l Wasser

BBCH 30-69 (eine Anwendung)
bzw. Warndiensthinweise beachten.

Anwendung nur in hochanfälligen Sorten
in Verbindung mit dem Befall fördernden Standorten
und Witterungsbedingungen

Die Auflagen der Mittel (siehe Produktinformationen) sind zu beachten!

Anmerkung
In den vergangen Jahren haben die amtlichen Dienste der Bundesländer zahlreiche Versuche zur Bekämpfungsleistung und zum richtigen Applikationstermin durchgeführt. Es konnten bundesweit nur in wenigen Fällen absicherbare Mehrerträge durch eine Fungizidmaßnahme erzielt werden. Unter Starkbefallsbedingungen wurden  in einem hessischen Versuch signifikante Mehrerträge erzielt, wenn die Behandlung spät, das heißt zur Blüte durchgeführt worden war. Bleibt ein Starkbefall aus, können weder Ertragszuwächse noch Biogaszuwächse durch den Fungizideinsatz erzielt werden.

Unter folgenden Bedingungen kann eine chemische Behandlung grundsätzlich gerechtfertigt sein:

Standorte, auf denen Mais in Folge angebaut wird, wo die verwendeten Sorten in der Vergangenheit starken Befall zeigten, eine Pflugfurche nicht möglich ist, feuchtwarme Witterung in der Hauptwachstumsphase vorherrscht und in den vergangenen Jahren starker Befall mit Setosphaeria turcica / Exserohilum turcicum festgestellt wurde.
Anwendungsempfehlung: Ab BBCH 60.

Grundsätzlich sind Fungizidmaßnahmen im Mais gegen E. turcicum in Hessen nicht notwendig!



Besonderheit Pilzgifte durch Fusariosen in Mais
Körnermais kann von Pilzen befallen werden, die Gifte bilden, sogenannte Mykotoxine. In der Vergangenheit wurde regional in Körnermais  in verschiedenen Bundesländern- auch in Hessen- das Pilzgift DON (Deoxynivalenol) festgestellt. Dieses Mykotoxin wird hauptsächlich vom Pilz Fusarium graminearum produziert.
Die Gehalte an Mykotoxinen sind abhängig von Sorte, Standort und der Jahreswitterung.
Wichtige Maßnahmen zur Verringerung des Ausbreiten des Pilzes sind gutes Einarbeiten der Rückstände der Vorfrucht und wenn möglich Pflugfurche im Herbst.

Orientierungswerte für Deoxynivalenol (DON) in Futtermitteln für:

Schweine (Mastschweine, Zuchtsauen): 1,0 mg/kg (bei 86% TS)
Hühner: 5,0 mg/kg (bei 86% TS)
Rinder (Aufzucht, Mast, Milchkuh): 5,0 mg/kg (bei 86% TS)
Kälber: 2,0 mg/kg (bei 86 % TS)

Die Orientierungswerte beziehen sich auf die Gehalte in der Gesamtration, die ja nicht ausschließlich aus Mais besteht. Aus den Orientierungswerten und den DON-Gehalten ist der Schluss zu ziehen, dass insbesondere in der Schweinefütterung höher belasteter Körnermais in der Ration auf geringere Anteile zu begrenzen ist, die eventuell nicht mehr als 10% betragen sollten.(Quelle: Landesanstalt für Landwirtschaft Bayern, verändert).

Hinweise zur chemischen Bekämpfung
Gegen Fusariosen ist das Mittel Prosaro wie folgt zugelassen:
Aufwandmenge: 1/ha in 200-600l Wasser.
Stadium: BBCH 33-69 bei Infektionsgefahr* bzw. ab Warndienstauftruf
Anzahl der Anwendungen: In der Kultur 1 mal.
Die Auflagen auf Mittelebene sind zu beachten!

*Da das Hauptpilzgift DON durch Fusarium graminearum gebildet wird, sollten in Analogie zum Weizen die gleichen Risiko-Faktoren und Witterungsbedingungen für die Perithezienbildung am Boden gelten:
Wenn etwa zwei Wochen vor Austritt der Narbenfäden im Mais eine mehrere Tage andauernde Befeuchtung des Oberbodens erreicht wird, ist die Voraussetzung für Pilzwachstum und nachfolgende Perithezienbildung gegeben, sodass Infektionen grundsätzlich möglich sind. Infektionen des Maiskolbens sind erst mit dem Austritt der Narbenfäden zur Blüte möglich, wenn sich die Lieschblätter öffnen.

Frühe Behandlungen zu BBCH 30-59 sind eher ungünstig.

Hinweis: Am Wirkungsvollsten lassen sich Probleme mit Fusariosen durch ackerbauliche Maßnahmen vermeiden bzw. reduzieren (Pflug oder zumindest Mulchen der Stoppeln bei Mais im Vorjahr; Keine "Mais nach Mais Fruchtfolge", Erntereste der Vorfrucht gut einarbeiten...)